Augenerkrankung und Krebs teilen gemeinsame Alterungsmechanismen
Menschen mit einer bestimmten Augenerkrankung haben offenbar ein erhöhtes Krebsrisiko. Auf den ersten Blick wirkt das wie Zufall. Doch Forschende finden zunehmend Belege dafür, dass dieselben Alterungsprozesse hinter beiden Erkrankungen stecken.
Die neovaskuläre altersbedingte Makuladegeneration (nAMD) ist die schwerste Form der Makuladegeneration und zählt zu den häufigsten Ursachen irreversibler Sehkraftverluste bei älteren Menschen. Angetrieben wird die Erkrankung durch unkontrolliertes Wachstum neuer Blutgefäße im Auge, gesteuert durch den Wachstumsfaktor VEGF.
Neue Forschungsergebnisse, beschrieben über Fight Aging auf Grundlage einer in der Fachzeitschrift Aging veröffentlichten Studie, zeigen, dass nAMD-Patienten häufiger bestimmte Krebsformen entwickeln. Dieser Zusammenhang ist kein Zufall: VEGF, das Molekül, das nAMD auslöst, spielt nachweislich auch beim Tumorwachstum eine Rolle – über die Bildung neuer Blutgefäße, die sogenannte Angiogenese.
Gemeinsame Biologie unter der Oberfläche
Darüber hinaus gibt es weitere überlappende Mechanismen. Chronisch-schwelgradige Entzündungen – auch als Inflammaging bezeichnet, also der anhaltende milde Entzündungszustand, der mit dem Altern einhergeht – spielen bei beiden Erkrankungen eine Rolle. Dasselbe gilt für den Umbau der extrazellulären Matrix sowie die Aktivität seneszenter Zellen, die über ihr Sekretom – das Paket an Botenstoffen, das sie abgeben – Gewebe schädigen und das Tumorwachstum begünstigen können.
Ergänzende genetische Untersuchungen zeigen, dass AMD und bestimmte Krebsarten gemeinsame genetische Anfälligkeiten teilen, die mit Immunaktivierung, Fettstoffwechsel und dem Abbau der extrazellulären Matrix zusammenhängen. Das stärkt die Hypothese einer gemeinsamen biologischen Grundlage.
Was das für das Altern bedeutet
Die Erklärung, die Forschende vorschlagen, lautet: Der alternde Körper häuft ein bestimmtes Schadensmuster an, und dieses Muster bestimmt, welche Erkrankungen gemeinsam auftreten. nAMD und Krebs könnten Folgeerscheinungen derselben zugrundeliegenden Prozesse sein – keine voneinander unabhängigen Erkrankungen. Die Forschenden sind vorsichtig: Es handelt sich um beobachtete Zusammenhänge und biologische Hypothesen, keine bewiesenen Kausalbeziehungen. Klinische Konsequenzen sind noch nicht etabliert.