Belohnungsregion im Gehirn steuert Essen über einen kleinen Hotspot
Essen ohne Hunger zu haben: Dieses Gefühl kennt fast jeder. Doch welche Gehirnzellen erteilen tatsächlich die Erlaubnis, weiterzuessen – selbst wenn man längst genug hatte? Eine neue Studie weist auf eine kleine Region hin, die genau diese Entscheidung trifft.
Der mediale Nucleus-accumbens-Shell (medNAcSh) ist eine tief im Gehirn gelegene Struktur, die seit Langem mit Belohnungsverhalten und Nahrungsaufnahme in Verbindung gebracht wird. Wie diese Region im Einzelnen funktioniert, war jedoch bislang kaum verstanden. Eine neue, in eLife veröffentlichte Studie zeichnet den Mechanismus nun im Detail nach.
Die Forschenden stellten fest, dass eine bestimmte Gruppe von Nervenzellen in dieser Region – die sogenannten D1-SPNs (Dopamin-1-Rezeptor-positive Neuronen) – ihre Aktivität während des Konsums belohnender Nahrung verringert. Diese Reduktion ist notwendig und hinreichend, um weiteres Essen zu erlauben, unabhängig davon, ob der Körper die Nahrung tatsächlich benötigt. Darüber hinaus konzentriert sich dieser Effekt auf einen kleinen Teilbereich: einen rostralen Hotspot innerhalb des medNAcSh.
Hedonisches Essen und Altern
Hedonisches Essen – also Essen aus Genuss statt aus Hunger – gilt als Risikofaktor für Gewichtszunahme und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen. Bei älteren Menschen kommt ein zusätzlicher Faktor hinzu: Die Empfindlichkeit des Belohnungssystems verändert sich mit dem Alter. Die Dopaminproduktion nimmt ab, und die Art und Weise, wie Belohnungssignale verarbeitet werden, verschiebt sich. Das kann sowohl zu vermindertem Appetit als auch zu eingeschränkter Kontrolle über das Essverhalten führen.
Zu wissen, welche Zellen genau die Bremse beim Konsum belohnender Nahrung lösen, ermöglicht ein gezielteres Nachdenken über Behandlungsansätze bei Adipositas oder Essstörungen. Das gilt auch für ältere Menschen, bei denen das Belohnungssystem weniger effektiv arbeitet.
Ein Schalter, kein Regler
Bemerkenswert an dem Befund ist, dass D1-SPNs eher wie ein Schalter als wie ein stufenloser Regler wirken. Die Aktivitätsreduktion scheint eine binäre Schwelle zu überschreiten: Man isst, oder man isst nicht. Das macht das System potenziell anfällig für kleine Störungen. Bereits eine geringfügige Veränderung der Aktivität dieser Zellen könnte darüber entscheiden, ob jemand weiterisst oder aufhört.
Ob dieser Mechanismus beim Menschen genauso funktioniert wie in Tiermodellen, muss noch erforscht werden. Doch die präzise Lokalisierung des Hotspots gibt Forschenden ein konkretes Ziel für Folgestudien an die Hand.
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