Datenmängel hinter dem Langlebigkeitsmythos der Blue Zones
Blue Zones gelten als Beweis dafür, dass bestimmte Umgebungen ein längeres Leben begünstigen. Doch wie belastbar sind die Daten, auf denen diese Idee beruht?
Die fünf sogenannten Blue Zones – darunter Sardinien, Okinawa und Ikaria – wurden weltbekannt, weil dort angeblich ungewöhnlich viele Menschen ein Alter von hundert Jahren und mehr erreichen. Journalisten und Wissenschaftler beschrieben sie als lebende Laboratorien des gesunden Alterns. Doch die Datengrundlage hinter diesen Behauptungen war nie unumstritten.
In einem bei STAT News veröffentlichten Gespräch erörtern die Forscher die grundlegenden Probleme gemeinsam mit dem Kardiologen und Datenwissenschaftler Eric Topol. In vielen Blue-Zone-Regionen war die historische Geburtsregistrierung unzuverlässig. Wer ein hohes Alter für sich beanspruchte, konnte dies häufig nicht durch ausreichende Dokumente belegen. Damit lassen sich die Hundertjährigenquoten – also der Anteil der Menschen, die das hundertste Lebensjahr vollenden – in diesen Gebieten kaum verlässlich überprüfen.
Was die geografische Betrachtung tatsächlich zeigt
Die Kritik bedeutet nicht, dass diese Regionen nichts zu lehren haben. In Gebieten mit zuverlässigeren Daten ist gesundes Altern tatsächlich in bestimmten Bevölkerungsgruppen konzentriert. Lebensstilfaktoren wie pflanzenbetonte Ernährung, körperliche Aktivität als selbstverständlicher Teil des Alltags und ein stabiles soziales Netz sind mit besseren Gesundheitsergebnissen im hohen Alter verbunden. Ob jedoch diese Faktoren erklären, warum jemand hundert Jahre alt wird, oder ob Selektionseffekte und Erfassungsfehler eine Rolle spielen, lässt sich kaum trennen.
Topol weist zudem auf die Gefahr der umgekehrten Kausalität hin. Wenn Menschen in einer bestimmten Umgebung lange und gesund leben, könnte das ebenso gut bedeuten, dass gesunde Menschen dorthin ziehen oder dort bleiben – und nicht, dass die Umgebung selbst die Ursache ist.
Was das für die Langlebigkeitsforschung bedeutet
Die Debatte um die Blue Zones berührt ein grundsätzlicheres Problem der Alternsforschung: die Qualität der Daten, auf denen weitreichende Aussagen beruhen. Für Präventionsempfehlungen ist es entscheidend, ob die Belege aus sorgfältig kontrollierten Studien stammen oder aus Beobachtungen in Regionen mit fragwürdigen Bevölkerungsregistern.
Die aus der Blue-Zone-Forschung abgeleiteten Lebensstilfaktoren verdienen es, unter strengeren Bedingungen weiter untersucht zu werden. Die Regionen selbst sind jedoch kein Beweis dafür, dass diese Faktoren wirksam sind.
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