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Forschung · Alternsuhren

Die Leber verrät das wahre biologische Alter

Redaktion LongevityWatch · 17. Juni 2026 · 2 min · English

Ein neues Maß für biologisches Altern richtet den Blick weder auf das Gehirn noch auf Blutzellen, sondern auf die Leber. Und es sagt das Sterberisiko zuverlässiger vorher als das Geburtsdatum.

Forschende haben den Liver Aging Index (LAI) entwickelt: einen Score, der aus vierzehn Variablen berechnet wird – darunter Blutdruck, Blutzucker, Cholesterinwerte und zwei bildgebende Leberparameter. Die Studie wurde in drei großen Kohorten mit insgesamt Zehntausenden Teilnehmenden weltweit validiert.

Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Der Index sagte das Sterberisiko besser vorher als das kalendarische Alter. In zwei Validierungskohorten lag die Trennschärfe (gemessen als AUROC) bei rund 0,76 – ein für biologische Alterungsuhren als stark eingestufter Wert. Jede Standardabweichung beschleunigter Leberalterung war mit einem um 22 bis 85 Prozent erhöhten Risiko für Gesamtmortalität verbunden sowie mit einem um 34 bis 170 Prozent erhöhten Risiko für leberbezogene Ereignisse oder Tod. Die Forschenden betonen, dass es sich dabei um vorläufige Schätzungen auf Basis von Beobachtungsdaten handelt.

Die Leber als Alterungsorgan

Besonders bemerkenswert ist die Kombination der Befunde mit genetischen und proteomischen Analysen. Diese wiesen auf eine unerwartete Beteiligung des Amyloid-beta-Clearance-Signalwegs am Leberalterungsprozess hin – ein System, das sonst vor allem aus der Alzheimer-Forschung bekannt ist. Die Forschenden stellen die These auf, dass Leberalterung und Hirnerkrankungen möglicherweise gemeinsame molekulare Pfade teilen, weisen jedoch darauf hin, dass diese Interpretation weiterer Untersuchungen bedarf.

Was bedeutet das in der Praxis?

Der LAI ist vollständig nicht-invasiv: Alle erforderlichen Werte lassen sich aus Standard-Bluttests und einer Leberultraschalluntersuchung ableiten. Damit ist er potenziell im klinischen Routinebetrieb einsetzbar. Aus Sicht der Longevity-Forschung ist das relevant, weil die meisten Alterungsuhren kostspielig oder schwer skalierbar sind.

Einschränkungen bleiben bestehen. Die Uhr wurde an spezifischen Populationen und Datensätzen trainiert, ihre Übertragbarkeit ist noch unklar. Wie bei nahezu allen biologischen Alterungsuhren fehlt es bislang an direkten Belegen, die die gemessenen Variablen mit den zugrundeliegenden Alterungsmechanismen verbinden. Die Forschenden selbst fordern mehr Kausalforschung, bevor klinische Schlussfolgerungen gezogen werden.

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