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Forschung · Muskeln & Bewegung

Dreißig Minuten in der Sauna lösen eine ähnliche Immunreaktion aus wie Sport

Redaktion LongevityWatch · 19. April 2026 · 2 min · English

Eine einzige halbstündige Saunasitzung genügt, um die Zahl der im Blut zirkulierenden weißen Blutkörperchen vorübergehend in die Höhe zu treiben. Eine neue Studie legt nahe, dass dieser Effekt dem Geschehen bei körperlicher Bewegung sehr ähnlich ist – ganz ohne Muskeleinsatz.

Die Finnen wussten seit Generationen, dass in der Sauna etwas Besonderes passiert – und große epidemiologische Studien haben ihnen recht gegeben. Regelmäßiger Saunabesuch wurde mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und vorzeitigen Tod in Verbindung gebracht. Doch der biologische Mechanismus hinter diesen Vorteilen blieb lange Zeit frustrierend unklar. Nun haben Forschende ein mögliches Puzzleteil identifiziert: Die Sauna scheint das Immunsystem auf eine Weise in Bewegung zu setzen, die der körpereigenen Reaktion auf körperliche Anstrengung ähnelt.

In der Studie verbrachten die Teilnehmenden dreißig Minuten in einer traditionellen Sauna bei rund achtzig Grad Celsius. Vor und nach der Sitzung wurden Blutproben entnommen. Das Ergebnis war eindeutig: Die Konzentration der weißen Blutkörperchen – jener Zellen, die den Körper nach Infektionen, geschädigtem Gewebe und anderen Bedrohungen absuchen – stieg kurz nach der Sitzung deutlich an und normalisierte sich anschließend wieder. Wissenschaftler bezeichnen dies als Immunmobilisierung: Der Körper schickt vorübergehend zusätzliche Patrouilleneinheiten in den Blutkreislauf.

Der Körper spricht dieselbe Sprache wie beim Sport

Besonders bemerkenswert ist, wie stark dieser Befund dem ähnelt, was während und nach körperlicher Aktivität geschieht. Beim Sport steigt die Körperkerntemperatur, die Herzfrequenz erhöht sich, und Immunzellen werden aus Speicherorganen wie Milz und Lymphknoten freigesetzt. Die Sauna erzeugt ein verblüffend ähnliches physiologisches Signal – ganz ohne Muskelarbeit. Die Forschenden beschreiben dies als „passiven Bewegungsreiz": einen Mechanismus, bei dem Wärme allein dieselbe Kaskade auslöst, die normalerweise durch Bewegung in Gang gesetzt wird.

Das ist bedeutsam für Menschen, die aus medizinischen Gründen keinen Sport treiben können. Saunabaden ersetzt zwar nicht alle Effekte eines echten körperlichen Trainings – die kardiovaskulären und metabolischen Vorteile von Bewegung sind breiter und tiefgreifender –, doch im Hinblick auf die Immunüberwachung scheint es eine echte Überschneidung zu geben. Unter Immunüberwachung versteht man die kontinuierliche Patrouille weißer Blutkörperchen, die Gewebe nach Infektionen, geschädigten Zellen oder frühen Tumorstadien absuchen.

Die Altersdimension

Für die Longevity-Forschung ist dies aus zwei Gründen interessant. Erstens nimmt die Immunfunktion mit dem Alter ab – ein Prozess, der als Immunoseneszenz bezeichnet wird. Weiße Blutkörperchen werden langsamer, weniger vielfältig und schlechter in der Lage, wirksame Antworten auf neue Bedrohungen zu entwickeln. Ob eine regelmäßige Mobilisierung durch Saunabesuche diesen Abbau verlangsamen oder kompensieren könnte, ist eine Frage, die die Studie aufwirft, aber nicht beantwortet.

Zweitens fügt sich der Befund in ein breiteres Forschungsfeld zu sogenannten hormetischen Stressoren ein – milden physiologischen Reizen, die den Körper zur Reparatur und Anpassung anregen. Fasten, Kaltwasserbaden und Hochintensitätstraining beruhen auf verwandten Prinzipien. Die Sauna ergänzt diese Liste um eine thermische Variante.

Die Studie ist explorativer Natur, und die Stichprobengröße war klein. Ob die Mobilisierung weißer Blutkörperchen tatsächlich zu einer besseren langfristigen Immunfunktion führt oder ob es sich lediglich um einen vorübergehenden Ausschlag in einem Bluttest handelt, bleibt eine offene Frage.

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