Ein Immunenzym blockiert still die Krebsabwehr
Das Immunsystem verfügt über spezialisierte Zellen, die Krebs erkennen und vernichten. Doch manchmal funktionieren sie nicht so gut, wie sie sollten. Eine neue Studie identifiziert ein Enzym, das diese Abwehr aktiv unterdrückt – mit weitreichenden Konsequenzen für die Krebsimmunologie.
Dendritische Zellen sind die Wächter des Immunsystems. Sie fangen Fragmente körperfremder Proteine auf – darunter solche von Krebszellen – und präsentieren sie anderen Immunzellen, um eine gezielte Abwehrreaktion auszulösen. Dieser Vorgang wird als Kreuzpräsentation bezeichnet. Die Forschenden, die ihre Ergebnisse in Science veröffentlichten, stellten fest, dass das Enzym CARM1 genau diese Kreuzpräsentationsfunktion hemmt.
CARM1 ist ein epigenetisches Enzym, also ein Protein, das die Genaktivität verändert, ohne die zugrunde liegende DNA-Sequenz anzutasten. In dendritischen Zellen unterdrückt CARM1 die Expression von Genen, die für eine wirksame Kreuzpräsentation erforderlich sind. Ist CARM1 aktiv, verlieren die Wächterzellen zunehmend die Fähigkeit, Krebssignale zu erkennen und an das übrige Immunsystem weiterzuleiten.
Ein potenzielles neues Angriffsziel für die Krebstherapie
Wenn CARM1 die Immunantwort gegen Krebs abschwächt, liegt es nahe, das Enzym als Wirkstoffziel ins Visier zu nehmen. CARM1-Inhibitoren, die sich derzeit in der frühen Entwicklungsphase befinden, könnten die Kreuzpräsentationskapazität wiederherstellen und Immunzellen dabei helfen, Tumoren wirkungsvoller aufzuspüren. In Mausmodellen führte die Hemmung von CARM1 zu einer verstärkten Immunantwort gegen Krebszellen.
Aus einer Longevity-Perspektive gibt es noch einen weiteren bemerkenswerten Aspekt. Das Immunaltern, auch Immunoseneszenz genannt, ist durch eine nachlassende Funktion dendritischer Zellen bei älteren Menschen gekennzeichnet. Ob die CARM1-Aktivität zu diesem Rückgang beiträgt, ist bislang nicht untersucht worden – doch der mechanistische Zusammenhang verdient weitere Forschung.
Der aktuelle Stand der Evidenz
Die Studie wurde überwiegend in Mausmodellen und Zellsystemen durchgeführt. Ob die Hemmung von CARM1 beim Menschen gleichermaßen wirksam und sicher sein wird, muss erst durch klinische Studien belegt werden. Die Forschenden selbst beschreiben ihre Ergebnisse als vielversprechend, aber vorläufig. Eine klinische Anwendung bei Krebspatienten liegt noch in einiger Ferne.
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