Eine Altersuhr funktioniert bei Mäusen und Menschen
Die meisten Tests, die das biologische Altern messen, funktionieren nur beim Menschen. Wie lässt sich also feststellen, ob eine Anti-Aging-Behandlung, die bei Mäusen wirkt, auch beim Menschen anschlägt? Eine neue Art von Uhr liefert eine Antwort.
Forschende haben eine Altersuhr entwickelt, die auf der Genaktivität in Geweben basiert und sowohl bei Mäusen als auch bei Menschen funktioniert. Die Studie beschreibt, wie eine transkriptomische Uhr – ein Maß dafür, welche Gene in einer Zelle aktiv oder inaktiv sind – Artgrenzen überwinden kann. Das ist bedeutsam, weil die meisten Behandlungen, die das Altern bei Mäusen verlangsamen, beim Menschen weit geringere Effekte erzielen. Eine Uhr, die beide Spezies erfasst, könnte helfen zu erklären, warum das so ist.
Die Logik dahinter: Wenn eine Behandlung die Uhr bei Maus und Mensch in ähnlichem Ausmaß zurückstellt, ist der zugrundeliegende biologische Mechanismus mit größerer Wahrscheinlichkeit vergleichbar. Weichen die Reaktionen hingegen stark voneinander ab, besteht vermutlich ein grundlegender Unterschied darin, wie die Behandlung in den beiden Spezies wirkt.
Warum Mäuse stärker auf Eingriffe ansprechen
Mäuse reagieren auf klassische Strategien zur Lebensverlängerung – etwa Kalorienrestriktion oder Veränderungen in Stressreaktionswegen – weitaus ausgeprägter als Menschen. Diese Diskrepanz ist seit Langem rätselhaft. Eine Erklärung lautet, dass Mäuse in freier Wildbahn selten ein hohes Alter erreichen und daher einem geringeren Evolutionsdruck ausgesetzt waren, robuste Mechanismen zur Alterungskontrolle zu entwickeln. Eine gemeinsame Uhr ermöglicht es, noch vor der Planung aufwendiger klinischer Studien zu messen, ob ein Eingriff bei Mäusen biologisch vergleichbare Effekte beim Menschen erzeugt.
Bedeutung für die Langlebigkeitsforschung
Diese Art von Uhr ergänzt das Methodenarsenal der Longevity-Forschung um ein neues Messinstrument. Sie schlägt eine Brücke zwischen Tierversuchen und der Erforschung des menschlichen Alterns, die bislang nicht existierte. Ob die Uhr auch die tatsächliche Lebenserwartung vorhersagt, muss noch gezeigt werden. Als Filter zur Identifizierung vielversprechender Behandlungsansätze ist sie jedoch schon jetzt nützlich.