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Eine einzige Aminosäure treibt Immunzellen an, die den Körper angreifen

Redaktion LongevityWatch · 9. Juli 2026 · 2 min · English

Das Immunsystem kann sich gegen seinen eigenen Wirt wenden. Das ist der Kern von Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass das Entfernen einer einzigen Aminosäure die für den Angriff verantwortlichen Immunzellen schwächt.

T-Zellen sind weiße Blutkörperchen, die die Immunantwort steuern. Bei Autoimmunerkrankungen richten sich bestimmte T-Zellen gegen gesundes Gewebe. Bei Multipler Sklerose (MS) greifen sie die Myelinscheiden an, die Schutzumhüllung der Nervenfasern. Wissenschaftler suchen seit Langem nach Wegen, gezielt nur diese schädlichen T-Zellen zu unterdrücken, ohne das gesamte Immunsystem lahmzulegen.

Asparagin als Treibstoff selbstangreifender Zellen

Die in eLife veröffentlichte Studie zeigt, dass die Aminosäure Asparagin für die Aktivierung und Teilung von CD4+-T-Zellen unverzichtbar ist. CD4+-T-Zellen sind eine Gruppe von Immunzellen, die eine koordinierende Rolle bei der Immunantwort übernehmen. Ohne Asparagin bricht die Energieproduktion in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, ein, und die Zellen bilden weniger entzündungsfördernde Signalproteine (Zytokine).

In Mausmodellen der autoimmunen Gehirnentzündung (experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis, EAE), einem Standardsystem der MS-Forschung, verringerte die Erschöpfung von Asparagin den Schweregrad der Erkrankung erheblich. T-Zellen, die ohne Asparagin kultiviert wurden, waren weniger in der Lage, das Nervensystem anzugreifen. Auch die therapeutische Gabe eines Asparagin-senkenden Mittels mitten im Krankheitsverlauf zeigte einen dämpfenden Effekt auf den Schweregrad.

Ein potenzielles neues therapeutisches Ziel

Es handelt sich um Ergebnisse aus Tierversuchen. Die Übertragung auf den Menschen erfordert weitere Studien. Der Mechanismus ist jedoch bemerkenswert: Asparagin ist eine nicht-essentielle Aminosäure, das heißt, der Körper kann sie selbst herstellen. Für aktiv teilende Immunzellen erweist sie sich dennoch als entscheidend. Die Forscher schlagen vor, dass eine gezielte Senkung des Asparaginspiegels in der Umgebung autoreaktiver T-Zellen – also jener T-Zellen, die körpereigenes Gewebe angreifen – eine Therapiestrategie mit weniger Nebenwirkungen darstellen könnte als eine breit angelegte Immunsuppression.

Aus einer Longevity-Perspektive ist das relevant: Autoimmunerkrankungen nehmen mit dem Alter zu und tragen zur Alterung des Immunsystems bei. Methoden zur gezielten Dämpfung autoreaktiver Zellen könnten mit der Zeit breitere Anwendungsgebiete finden.

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