Fett um Arterien treibt Herzerkrankungen von innen an
Eine dünne Fettschicht umhüllt die meisten kleinen Arterien. Bei gesunden Menschen hilft sie den Gefäßen, sich zu entspannen. Bei Adipositas und Bluthochdruck kehrt sie sich gegen sie – sie fördert Entzündungen und Verengungen.
Forschende der Universität Zürich untersuchten kleine Arterien aus Fettbiopsien von 27 adipösen, hypertensiven Patienten und verglichen sie mit Gefäßen von schlanken, gesunden Kontrollpersonen. Die Gefäße der Patienten wiesen strukturelle Umbauprozesse auf und waren kaum noch in der Lage, auf normale Signale hin zu erweitern.
In gesunden Gefäßen setzt die innere Auskleidung – das Endothel – Stickstoffmonoxid (NO) frei, ein Gas, das die umgebende Muskulatur entspannt. In den Patientengefäßen war die NO-Produktion verringert. Gleichzeitig bildeten die Gefäße vermehrt reaktive Sauerstoffspezies und wiesen erhöhte Spiegel entzündlicher Botenstoffe auf, darunter IL-1β, IL-6 und TNF-α. Zusammen halten diese Veränderungen die Gefäße dauerhaft verengt.
Ein überaktives Genprogramm zurücksetzen
Das Forschungsteam behandelte isolierte Gefäße mit einem niedermolekularen Wirkstoff namens RVX-208, einem BET-Inhibitor. BET-Proteine erkennen chemische Markierungen an den Spulen, um die DNA gewickelt ist, und verstärken die Aktivität stress- und krankheitsbezogener Gene. Ihre Blockade dämpft dieses überaktive Programm.
Nach der Behandlung mit RVX-208 verbesserte sich die Gefäßentspannung, reaktive Sauerstoffspezies nahmen ab, die NO-Produktion erholte sich, und Entzündungen wurden wirksamer gehemmt als mit einem einzelnen zytokinblockierenden Antikörper. Die Forschenden, die ihre Ergebnisse in Cell Reports veröffentlichten, kamen zu dem Schluss, dass der Ansatz das gesamte Genaktivitätsprogramm des Fettgewebes neu ausrichtet, anstatt ein einzelnes Molekül zu adressieren.
Warum das für das Altern von Bedeutung ist
Endotheldysfunktion gilt als früher Marker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschlechtert sich mit zunehmendem Alter. Die Befunde legen nahe, dass perivaskuläres Fettgewebe – also das Fett, das Blutgefäße unmittelbar umgibt – ein bislang unterschätztes therapeutisches Ziel darstellt. Ob BET-Inhibitoren auch klinisch bei Patienten mit kardiometabolischen Erkrankungen wirken, muss noch in größeren Studien gezeigt werden. Bemerkenswert ist die Strategie dennoch: Sie setzt an der Ursache chronischer, niedriggradiger Gefäßentzündung an – nicht an deren nachgelagerten Auswirkungen.