Hängt dein biologisches Alter davon ab, in welchem Land du lebst?
Wo du lebst und wie viel Geld du hast, hängt stark damit zusammen, wie schnell du biologisch alterst – die größte Kluft zwischen biologischem und kalendarischem Alter findet sich in einkommensschwachen Ländern. Es handelt sich um eine einzige Studie, aber mit knapp 162.000 Teilnehmenden und konsistenten Effekten über 40 Länder hinweg sind die Befunde ernst zu nehmen.
Ja, und zwar erheblich. Eine Untersuchung mit knapp 162.000 Teilnehmenden aus 40 Ländern zeigt, dass Menschen in Europa im Durchschnitt am günstigsten altern: Ihr biologisches Alter liegt am wenigsten über ihrem kalendarischen Alter. Am größten war die Lücke in Ägypten und Südafrika, wo der Körper biologisch deutlich schneller altert, als es die Jahreszahlen vermuten lassen. Asiatische und lateinamerikanische Länder lagen dazwischen. Aber auch innerhalb Europas gab es Unterschiede: Ost- und Südeuropa schnitten schlechter ab als der Rest.
Was steckt dahinter? Als stärkster Einzelfaktor erwies sich ein niedriges Einkommen: Wer wenig Geld hat, altert schneller – das galt sowohl auf individueller als auch auf regionaler Ebene, mit einer mittelgroßen bis großen Effektstärke. Daneben spielten schlechte Luftqualität und gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen eine Rolle, darunter hohe Ungleichheit, eingeschränkte politische Freiheiten und Geschlechterungleichheit.
Die Folgen sind greifbar. Wer biologisch schneller altert, hatte in den Folgemessungen ein höheres Risiko für kognitiven Abbau und Einschränkungen im Alltag. Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang beim funktionellen Verlust, mit einer mittelgroßen bis großen Effektstärke.
Ein wichtiger Vorbehalt: Die Studie ist beobachtend. Das heißt, ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Land, Einkommen und Alterungsgeschwindigkeit ist nicht bewiesen, wenngleich die Korrelationen stark sind. Menschen, die etwa aus einem ärmeren in ein reiches Land ziehen, nehmen einen Teil ihrer biologischen Uhr mit. Dennoch sprechen die Forschenden angesichts der Breite und Konsistenz der Befunde von einer 'likely causal' Interpretation.
Alle Befunde stammen aus einer einzigen großen Quer- und Längsschnittstudie (PMID 40659767, n=161.981, 40 Länder). Die Effektstärken sind solide und statistisch robust, eine unabhängige Replikation steht jedoch noch aus.