Lässt sich beginnende Vergesslichkeit durch den Lebensstil noch aufhalten?
Vergesslichkeit vollständig umzukehren ist selten möglich, aber Bewegung, Blutdruckbehandlung und eine gute Blutzuckereinstellung können den Abbau nachweislich verlangsamen. Lass anhaltende Beschwerden frühzeitig abklären, damit behandelbare Ursachen nicht übersehen werden.
Vergesslichkeit vollständig rückgängig zu machen ist in den meisten Fällen unrealistisch. Lebensstiländerungen können den Abbau aber verlangsamen und ihn manchmal sogar teilweise umkehren. Am besten funktioniert das, wenn eine behebbare Ursache dahintersteckt, etwa ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel oder eine behandelbare Gefäßerkrankung.
Die stärkste Evidenz gibt es für die Kontrolle kardiovaskulärer Risikofaktoren. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes verdoppelt Bluthochdruck das Risiko für leichte kognitive Einschränkungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen es zusätzlich. Ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel steigert das Risiko um ein Drittel, Insulinresistenz fast um das Doppelte. Blutdruck und Blutzucker in den Griff zu bekommen zählt daher zu den am besten belegten Maßnahmen überhaupt.
Körperliche Aktivität ist am breitesten durch Studien gestützt. Aktive Muskeln produzieren Botenstoffe, die das Wachstum von Nervenzellen fördern und Entzündungsprozesse hemmen, die kognitivem Abbau Vorschub leisten. Eine Studie mit gebrechlichen älteren Menschen kombinierte über 12 Monate Bewegung, gesunde Ernährung, Gefäßbehandlung und kognitive Übungen. Mehrere Endpunkte verbesserten sich signifikant, allerdings brach knapp die Hälfte der Teilnehmenden die Studie vorzeitig ab.1 Da es sich um eine einzelne erste Studie handelt, sind die Ergebnisse noch nicht breit repliziert worden.
Auch das Aufhören mit dem Rauchen ist relevant: Bei Diabetespatienten erhöht Rauchen das Risiko kognitiver Probleme um fast die Hälfte. Kognitives Training und Hirnstimulation werden derzeit erforscht und zeigen in kleinen Humanstudien positive Effekte. Die Evidenz ist hier aber dünner als für Bewegung und Gefäßkontrolle, und ob diese Effekte langfristig anhalten, ist noch nicht ausreichend belegt.
Leichte kognitive Beeinträchtigung, also die Grauzone zwischen normaler Vergesslichkeit und früher Demenz, ist kein unabwendbares Urteil. Eine teilweise Rückkehr zur Norm ist möglich, hängt aber stark von der Ursache ab. Gibt es Hinweise auf eine frühe Alzheimer-Erkrankung, sind die Aussichten weniger günstig. Wer früh zum Arzt geht, erhöht die Chance auf rechtzeitiges Eingreifen und senkt das Risiko für Stürze und Krankenhausaufenthalte. Warte also nicht zu lange, wenn Beschwerden anhalten.
Diesem Beitrag liegen sieben Studien zugrunde: eine Mischung aus Beobachtungsstudien, einer randomisierten kontrollierten Studie (PMID 39350375) und zusammenfassenden Übersichtsarbeiten. Die Evidenz für kognitives Training ist begrenzt, für Lebensstil und vaskuläre Faktoren mäßig bis stark. Eine große unabhängige Metaanalyse zur kombinierten Lebensstilfrage liegt nicht vor. Die Daten stammen überwiegend aus asiatischen Populationen, was die Übertragbarkeit auf westliche ältere Menschen einschränkt.