Verbessert mehr Zeit in der Natur deine Darmbakterien?
Ob mehr Zeit in der Natur das Darmmikrobiom verbessert, können die vorliegenden Studien nicht beantworten; wer sein Mikrobiom gezielt beeinflussen möchte, findet in Ernährung und Körpergewicht den deutlich besser belegten Ansatzpunkt.
Keine der vorliegenden Studien untersucht direkt, ob Aufenthalte in der Natur das Darmmikrobiom verbessern. Auf Grundlage der verfügbaren Quellen lässt sich diese Frage schlicht nicht beantworten – und es wäre falsch, den Eindruck zu erwecken, als wäre es anders.
Was wir wissen: Umgebung, Ernährung und frühe Kontakte mit Mikroorganismen hängen mit deutlichen Unterschieden in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms zusammen. Welchen genauen Anteil jeder dieser Faktoren daran hat, ist jedoch weitgehend ungeklärt. 'Umgebung' ist zudem ein weit gefasster Begriff, der weit mehr umfasst als bloßen Naturkontakt.
Deutlich besser belegt sind andere Einflüsse auf das Darmmikrobiom: Stillen in der frühen Kindheit, Ernährungsgewohnheiten und Körpergewicht. So geht Übergewicht mit geringerer bakterieller Vielfalt im Darm einher. In einer großen Studie erwies sich die ethnische Herkunft sogar als stärkerer Einflussfaktor auf die Mikrobiomzusammensetzung als viele andere gemessene Variablen.
Außerdem lohnt sich ein kritischer Blick auf den Begriff 'mehr Vielfalt': Mehr bedeutet nicht automatisch besser. Manche Darmbakterien können schädlich sein – bestimmte E.-coli-Varianten produzieren eine Substanz, die DNA schädigt und in Darmkrebstumoren beim Menschen nachgewiesen wurde. Darüber hinaus kann das Darmmikrobiom bestimmte krebserregende Stoffe in aktivere, schädlichere Formen umwandeln.
Keine der herangezogenen Studien untersucht direkt den Einfluss von Naturkontakt auf das Darmmikrobiom. Die übrigen Aussagen beziehen sich auf andere Einflussfaktoren wie Ernährung, Stillen, Körpergewicht und ethnische Herkunft sowie auf Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Erkrankungen.