Was gilt als gesunder HbA1c-Wert?
Einen universell „gesunden" HbA1c-Wert gibt es nicht: Innerhalb des Normalbereichs scheint niedriger tendenziell besser zu sein, doch was optimal ist, hängt auch von deinen persönlichen Umständen ab. Bist du schwanger oder hast du Risikofaktoren, sprich dein Ergebnis unbedingt mit deinem Arzt durch.
Die offizielle Diagnoseschwelle für Diabetes liegt bei 48 mmol/mol (entspricht etwa 6,5 %). Werte darunter gelten als „normal" – doch was tatsächlich ein gesunder Wert ist, lässt sich nicht so klar in Schwarz und Weiß einteilen, wie diese Grenze suggeriert. Erschwerend kommt hinzu, dass zwei verschiedene Messsysteme existieren, sodass dasselbe Ergebnis entweder als Prozentwert oder in mmol/mol angegeben werden kann. Das sorgt beim Vergleich von Befunden gelegentlich für Verwirrung.
Auch innerhalb des Normbereichs gilt: niedriger ist tatsächlich besser. Eine große britische Studie mit mehr als 41.000 Teilnehmern zeigte, dass Menschen mit Werten im oberen Normbereich bereits leicht dünnere Nervenzellen in der Netzhaut aufweisen als jene mit niedrigeren Werten. Ob sich das langfristig auf das Sehvermögen auswirkt, ist noch nicht geklärt – doch der Befund macht deutlich, dass "offiziell normal" und "optimal" nicht dasselbe sind.
In der Schwangerschaft wiegt das noch schwerer. Ein HbA1c zwischen 5,5 und 5,9 % – offiziell noch im Normalbereich – war in mehreren Studien mit mehr als doppelt so hohem Risiko für Frühgeburt und fast doppelt so hohem Risiko für ein zu großes Kind verbunden, verglichen mit Frauen mit niedrigeren Werten. Bei Präeklampsie, einer gefährlichen Schwangerschaftskomplikation mit Bluthochdruck, war das Risiko sogar mehr als dreimal so hoch. Das galt auch für Frauen, bei denen offiziell kein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert worden war.
Dazu kommt, dass HbA1c nicht bei allen Menschen gleich zuverlässig ist. Die Lebensdauer roter Blutkörperchen variiert von Person zu Person - und das wirkt sich direkt auf das Messergebnis aus. Wer kurzlebigere rote Blutkörperchen hat, bekommt einen niedrigeren HbA1c-Wert angezeigt, selbst wenn der tatsächliche Blutzuckerspiegel höher liegt. Das gilt auch umgekehrt. Derselbe Zahlenwert kann bei zwei Menschen also zwei völlig unterschiedliche Stoffwechselrealitäten widerspiegeln.
Die Aussagen stützen sich auf Beobachtungsstudien und große Datenbankanalysen – darunter die UK Biobank mit über 41.000 Teilnehmenden sowie eine chinesische Kohortenstudie mit mehr als 5.600 Schwangeren. Interventions- oder randomisierte Studien sind in der Quelle nicht enthalten. Kausale Schlussfolgerungen sind deshalb nur eingeschränkt möglich.