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Evidenz-Antwort · Gehirn & Gedächtnis · English

Werde ich früher dement, wenn ich schlecht höre?

Ja · Mäßige Evidenz

Schwerhörigkeit hängt mit einem bescheidenen, aber realen Anstieg des Demenzrisikos zusammen. Lass einen Hörverlust frühzeitig abklären und behandeln – erwarte von einem Hörgerät jedoch keinen automatischen Schutz vor Demenz.

Die vollständige Antwort

Schwerhörigkeit erhöht das Demenzrisiko, aber nicht dramatisch. Große Kohortenstudien und Metaanalysen zeigen konsistent eine Hazard Ratio zwischen 1,07 und 1,28 – ein bescheidenes, aber reproduzierbares Risikoplus. Eine ältere Studie deutete bei starkem Hörverlust auf ein bis zu fünffach erhöhtes Risiko hin, doch neuere, größere Studien bestätigen das nicht.1,2,3

Je ausgeprägter der Hörverlust, desto höher das geschätzte Risiko. Trotzdem bekommt die große Mehrheit der Schwerhörigen keine Demenz. Der Zusammenhang ist eine Assoziation, kein bewiesener Kausalzusammenhang. Andere Faktoren, die sowohl das Gehör als auch das Gehirn belasten, könnten einen Teil der Korrelation erklären.3,1

Auf Bevölkerungsebene gilt Hörverlust im mittleren Lebensalter als einer der bedeutsameren veränderbaren Risikofaktoren für Demenz. Schätzungen zufolge lassen sich rund 9 % aller Demenzkrankheiten weltweit darauf zurückführen. Das erhöhte Risiko setzt bereits vor dem 65. Lebensjahr ein, weshalb frühzeitiges Handeln theoretisch sinnvoll ist.4,5

Ob Hörgeräte Demenz tatsächlich verhindern, ist nach wie vor offen. Beobachtungsstudien legen nahe, dass Hörgeräteträger ein geringeres Risiko haben als Schwerhörige ohne Versorgung. Doch in der bislang größten randomisierten Studie, der ACHIEVE-Studie mit 977 Teilnehmenden, verlangsamte eine Hörgeräteintervention den kognitiven Abbau über drei Jahre in der Gesamtgruppe nicht. Nur ältere Menschen mit bereits mehreren Risikofaktoren schienen einen gewissen Nutzen zu haben. Ein Hörgerät ist damit kein belegtes Mittel zur breiten Demenzprävention.1,6

Warum dieser Zusammenhang besteht, ist noch nicht abschließend geklärt. Möglicherweise muss das Gehirn mehr Ressourcen aufwenden, um Klänge zu verarbeiten, oder es gehen sensorische Reize verloren. Zudem geht Schwerhörigkeit häufig mit sozialer Isolation und Depressionen einher – beides eigenständige Risikofaktoren für Demenz. Das macht es schwer zu beurteilen, was direkte Ursache ist und was Folgeerscheinung.4,7

Die Belege
7 Studien · 1 Meta-Analysen · ≈ 357.668 Teilnehmer

Die Aussagen stützen sich auf mehrere große prospektive Kohortenstudien (darunter die UK Biobank, n=356.052), eine Metaanalyse prospektiver Studien sowie eine randomisierte Studie (ACHIEVE, n=977). Die Evidenz für die Assoziation ist stark; die Evidenz für Kausalität und für den Nutzen von Hörgeräten ist mäßig.

Zuletzt überprüft: Juni 2026
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