Hundertjährige tragen eine jüngere Proteinsignatur in ihrem Blut
Hundertjährige sind nicht einfach ältere Versionen von 80-Jährigen. Ihr Blut erzählt eine andere biologische Geschichte.
Forschende analysierten Blutplasma von Hundertjährigen und verglichen es mit zwei weiteren Gruppen: jüngeren gesunden Erwachsenen sowie hospitalisierten älteren Menschen im Alter von 80 bis 90 Jahren. Dabei stießen sie auf 583 Proteine, die bei Hundertjährigen gegenüber beiden Vergleichsgruppen abweichen. Die Studie, veröffentlicht in Aging Cell, nutzte Daten der SWISS100-Kohorte und setzte Proteomics ein – eine Methode, mit der Tausende von Proteinen gleichzeitig gemessen werden können.
Von den 583 abweichenden Proteinen stachen 37 besonders hervor. Sie ähnelten den Proteinmustern jüngerer Erwachsener stärker als denen anderer älterer Menschen. Die 37 Proteine stehen mit vier Prozessen in Verbindung: programmiertem Zelltod, Stoffwechselwegen, der Stabilität der extrazellulären Matrix (dem strukturellen Gewebe, das Zellen umgibt) sowie der Entzündungsregulation. Genau diese Prozesse geraten im Laufe des Alterns unter Druck.
Nicht unsterblich, nur anders
Hundertjährige sind nicht immun gegen das Altern. Sie sind gebrechlich, kämpfen mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen und weisen hohe Sterblichkeitsraten auf. Das macht sie gerade deshalb zu einer so wertvollen Forschungsgruppe. Sie erreichen ein extremes Alter trotz desselben biologischen Verschleißes, der andere früher sterben lässt. Die entscheidende Frage lautet: Was schützt sie vergleichsweise?
Unter den 37 Proteinen mit jüngerem Profil verzeichneten die Forschenden auch Verbindungen zur neurotrophen Signalgebung – einem Prozess, über den Gehirnzellen Wachstumssignale erhalten, um am Leben zu bleiben. Dieser Zusammenhang ist vorläufig und bedarf weiterer Untersuchungen, deutet aber auf ein übergeordnetes biologisches Muster hin, das mit gesünderem Altern assoziiert sein könnte.
Vom Muster zum Zielmolekül
Die Forschenden glichen ihre Ergebnisse mit einer zweiten, unabhängigen Proteomics-Studie zu Hundertjährigen ab. In beiden Studien wichen 135 Proteine in dieselbe Richtung ab. Diese Übereinstimmung verleiht den Befunden mehr Belastbarkeit, als Einzelstudien bislang zeigen konnten.
Das Ziel dieser Forschungsrichtung ist nicht schlicht das Erreichen des hundertsten Lebensjahres, sondern das Verständnis, welche biologischen Prozesse den funktionellen Abbau am stärksten vorantreiben. Aus einer Longevity-Perspektive sind die 37 Proteine mit jüngerem Profil potenziell interessante Ansatzpunkte für künftige Therapien – auch wenn das gegenwärtig noch spekulativ ist.
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Zum Beispiel suchen nach:
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