Kleines Molekül verlangsamt Nervenschäden bei ALS-Mäusen
ALS tötet Nervenzellen schnell, und kein Therapieansatz stoppt diesen Prozess bisher. Ein kleines Molekül, das eine spezifische toxische Region eines fehlgefalteten Proteins blockiert, hat diesen Schaden bei Mäusen nun verlangsamt und deren Überleben verlängert.
ALS (amyotrophe Lateralsklerose) ist eine tödliche neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Motoneuronen gekennzeichnet ist. Ein zentrales Merkmal ist die Ansammlung einer fehlgefalteten Form des Proteins TDP-43, das normalerweise an der Verarbeitung genetischer Informationen in Zellen beteiligt ist. Bei ALS verklumpt TDP-43 und verliert seine normale Funktion. Die Forschungsgruppe identifizierte eine spezifische toxische Region innerhalb der Low-Complexity-Domäne von TDP-43 und entwickelte ein kleines Molekül, das genau diese Region angreift. Die Studie wurde in Nature Aging veröffentlicht.
Ein Molekül, das die Blut-Hirn-Schranke überwindet
Die Verbindung ist hirngängig, kann also die Blut-Hirn-Schranke passieren – eine entscheidende Eigenschaft, an der viele Wirkstoffkandidaten scheitern. In Mausmodellen für ALS verbesserte das Molekül die mitochondriale Funktion (die Energieerzeugung der Zellen), verringerte die Neurodegeneration und verlängerte das Überleben der Tiere.
Mitochondriale Dysfunktion ist ein bekanntes Merkmal von ALS. Wenn sich TDP-43 ansammelt, gerät die Energiemaschinerie der Nervenzellen aus dem Gleichgewicht, was den Zelltod beschleunigt. Das Molekül scheint diesen Zusammenhang zu unterbrechen, indem es die toxische Region von TDP-43 neutralisiert.
Noch ein langer Weg
Die Ergebnisse beschränken sich bislang auf Tiermodelle. Ob der Ansatz beim Menschen funktioniert und ob das Molekül langfristig sicher ist, bleibt offen. ALS hat eine lange Geschichte vielversprechender Tierstudien, die sich klinisch nicht bestätigen ließen.
Aus einer breiteren Longevity-Perspektive ist TDP-43-Aggregation auch bei anderen altersbedingten neurodegenerativen Erkrankungen zu finden, darunter frontotemporale Demenz. Ein Molekül, das die toxische Domäne von TDP-43 neutralisiert, könnte grundsätzlich ein breiteres Anwendungsspektrum besitzen.
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