Melatonin verbessert die DNA-Reparatur bei Nachtschichtarbeitern
Nachtschichten hinterlassen langfristig Spuren im Körper. Eine neue Studie legt jedoch nahe, dass Melatonin-Präparate einen Teil dieses Schadens abmildern können – indem sie die zelluläre DNA-Reparatur ankurbeln. Den meisten Menschen ist Melatonin nur als Einschlafhilfe bekannt.
Wer nachts arbeitet, bringt seinen zirkadianen Rhythmus durcheinander – die innere 24-Stunden-Uhr des Körpers, die nahezu jeden biologischen Prozess steuert. Eine Folge davon ist, dass die DNA-Reparatur an Effizienz verliert. Über Jahre hinweg kann das zu beschleunigter Alterung und einem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen beitragen.
Die Studie untersuchte, ob Melatonin-Präparate die Reparaturaktivität in Nachtschichtarbeitern anregen können. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Teilnehmer, die Melatonin einnahmen, wiesen eine höhere Aktivität der DNA-Reparaturmechanismen auf als die Kontrollgruppe.
Melatonin jenseits des Schlafs
Melatonin ist ein Hormon, das der Körper normalerweise bei Einbruch der Dunkelheit produziert. Es signalisiert dem Gehirn, dass die Nacht begonnen hat. Bei Nachtschichtarbeitern wird diese Produktion unterdrückt: Licht und Wachheit hemmen das Hormon genau dann, wenn der Körper davon profitieren würde.
Was diese Forschung besonders macht, ist ihr Fokus auf die DNA-Reparatur statt auf den Schlaf. Zellen setzen spezialisierte Proteine ein, um Fehler im Erbgut aufzuspüren und zu beheben. Dieser Vorgang wird als Nukleotid-Exzisionsreparatur bezeichnet – die Entfernung und der Ersatz beschädigter Nukleotide, der Bausteine der DNA. Die Forscher maßen, ob dieser Prozess bei Melatonin-Anwendern aktiver ablief. Das war er.
Vielversprechend, aber vorläufig
Die Befunde sind noch früh. Die Studie war klein und lief über einen begrenzten Zeitraum. Ob eine verbesserte Reparaturaktivität langfristig tatsächlich Krankheiten vorbeugt, muss erst noch gezeigt werden. Dennoch wirft die Forschung eine reizvolle Frage auf: Kann ein günstiges, frei erhältliches Präparat einen Teil der biologischen Kosten unregelmäßiger Arbeitszeiten ausgleichen?
Für die rund jeden fünften Beschäftigten in Schicht- oder Nachtarbeit ist diese Frage von unmittelbarer Relevanz. Bevor belastbare Schlussfolgerungen gezogen werden können, sind größere und länger angelegte Studien notwendig.