Neugeborene speichern Wörter bereits mit Sprecheridentität
Ein vier Tage altes Baby erkennt bereits ein vertrautes Wort. Und wie gut ihm das gelingt, hängt davon ab, wer spricht. Das verrät etwas Wesentliches darüber, wie Gedächtnis und Sprache vom ersten Lebenstag an miteinander verknüpft sind.
Forschende untersuchten Neugeborene im Alter von null bis vier Tagen mithilfe der funktionellen Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS), einem Verfahren, das die Hirnaktivität über Infrarotlicht misst. Die Säuglinge hörten ein Wort mehrfach, dann einen Störreiz, dann das Wort erneut. Die entscheidende Frage: Würden sie es noch erkennen?
Das taten sie – allerdings nur, wenn das Wort beim zweiten Mal von einer anderen Stimme gesprochen wurde. Kam derselbe Sprecher zum Einsatz, führte der Störreiz zu größerer Verwirrung. Ein Sprecherwechsel hingegen half den Säuglingen, das Wort von seinem Kontext zu trennen und beides als eigenständige Erinnerungen abzuspeichern.
Wo im Gehirn das geschieht
Die in eLife veröffentlichte Studie zeigt, dass das Wiedererkennen mit erhöhter Aktivität in Arealen einherging, die beim Erwachsenen ebenfalls an der Sprachverarbeitung beteiligt sind: dem linken Gyrus frontalis inferior und dem Gyrus temporalis superior. Auch die rechte Hemisphäre war aktiv, in Regionen, die mit der Erkennung von Sprecheridentität assoziiert werden.
Ein früher Grundstein für das episodische Gedächtnis
Diese Befunde sind für das Verständnis der Gedächtnisentwicklung über die gesamte Lebensspanne bedeutsam. Die Fähigkeit, in einer Erinnerung „Was" und „Wer" miteinander zu verknüpfen, gilt als Vorläufer des episodischen Gedächtnisses – also der Kapazität, konkrete Erlebnisse zu speichern und wieder abzurufen. Genau diese Fähigkeit nimmt mit dem Alter ab und gehört zu den ersten Funktionen, die bei Demenzerkrankungen verloren gehen. Zu verstehen, wie sie sich herausbildet – vom allerersten Lebenstag an – könnte Aufschluss darüber geben, warum sie später so anfällig wird.