Statine halten die Herzen von Menschen mit Adipositas gesund
Menschen mit Adipositas haben eine schlechtere kardiovaskuläre Gesundheit – so lautet die gängige Überzeugung. Eine 25-jährige Studie stellt diese Annahme nun auf bemerkenswerte Weise infrage.
Erwachsene über 40 mit Adipositas haben offenbar ihren Blutdruck und ihren Cholesterinspiegel so gut unter Kontrolle wie Gleichaltrige mit Normalgewicht. Das ist die zentrale Erkenntnis der Studie, die im The Lancet veröffentlicht wurde. Die Forschenden begleiteten Erwachsene unterschiedlichen Alters und Körpergewichts über 25 Jahre und beobachteten dabei zwei wichtige kardiovaskuläre Risikofaktoren: Blutdruck und LDL-Cholesterin, das sogenannte „schlechte" Cholesterin.
Der Untersuchungszeitraum fiel mit der breiten Einführung von Statinen und Blutdruckmitteln zusammen, lag jedoch vor dem Markteintritt neuerer Medikamente zur Gewichtsreduktion wie GLP-1-Agonisten. Die Forschenden vermuten, dass genau dieser Medikamenteneinsatz eine entscheidende Rolle gespielt hat. Menschen mit Adipositas greifen häufiger auf diese Präparate zurück, was den traditionellen kardiovaskulären Risikoabstand zwischen den Gewichtskategorien offenbar verringert hat.
Was ändert sich bei der Risikobewertung?
Das hat Konsequenzen für die Bewertung der gesundheitlichen Risiken von Adipositas. Wenn die direkten kardiovaskulären Marker – Blutdruck und Cholesterin – bei Menschen mit Adipositas und schlanken Vergleichspersonen inzwischen vergleichbar sind, stellt sich die Frage: Welche Risiken bleiben bestehen? Andere Folgen der Adipositas, darunter Gelenkschäden, bestimmte Krebserkrankungen und das metabolische Syndrom, liegen außerhalb der Reichweite von Statinen und Blutdruckmitteln.
Ein verändertes Risikoprofil
Aus einer Longevity-Perspektive ist die Studie bemerkenswert, weil sie zeigt, wie Medikamenteneinsatz das altersbezogene Risikoprofil einer großen Bevölkerungsgruppe verschieben kann. Das bedeutet nicht, dass Adipositas keine Risiken mehr birgt – vielmehr sind bestimmte Risiken heute besser kompensiert als noch vor Jahrzehnten. Die Forschenden betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt: Sie stellt eine Korrelation fest, keinen kausalen Zusammenhang. Ob bessere Messwerte tatsächlich in ein längeres und gesünderes Leben münden, muss in weiteren Studien untersucht werden.
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