Adipositas und Alzheimer teilen molekulare Signalwege
Adipositas erhöht das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Dieser Zusammenhang wird seit Jahren vermutet, doch die biologischen Grundlagen blieben lange unklar. Ein neues Übersichtswerk kartiert die gemeinsamen Mechanismen nun im Detail.
Forscher von Fight Aging haben eine ausführliche Übersicht der molekularen Verbindungen zwischen Adipositas und Alzheimer veröffentlicht. Das sich dabei abzeichnende Bild ist keine simple Ursache-Wirkungs-Beziehung, sondern ein Geflecht sich überschneidender Prozesse, die sich gegenseitig verstärken.
Einer der deutlichsten Zusammenhänge führt über die Mikroglia (die gewebsständigen Immunzellen des Gehirns). Bei Menschen mit Adipositas lagern sich Fette in diesen Zellen ab. Das beeinträchtigt ihre Fähigkeit, geschädigtes Gewebe und Proteinaggregate (Amyloidplaques) zu beseitigen – genau jene Aufgabe, die bei der Alzheimer-Erkrankung versagt.
Mehrere Wege, mehrere Angriffspunkte
Neben der Mikrogliafunktion scheinen auch Veränderungen in der extrazellulären Matrix (dem strukturgebenden Gewebe rund um die Zellen) beide Erkrankungen miteinander zu verbinden. Bei Adipositas verschiebt sich die Zusammensetzung dieses Gewebes auf eine Weise, die dem bei Alzheimer beobachteten Muster ähnelt. Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass veränderte Cholinspiegel im Blut bei beiden Erkrankungen auftreten. Cholin ist ein Nährstoff, der an der Produktion des Neurotransmitters Acetylcholin beteiligt ist, welcher bei Alzheimer stark abnimmt.
Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen: Es handelt sich hierbei um Korrelationen und mechanistische Parallelen, nicht um den Beweis, dass Adipositas Alzheimer direkt verursacht. Viele Menschen mit Adipositas entwickeln nie eine Demenz, und Alzheimer betrifft Menschen über das gesamte Spektrum des Körpergewichts hinweg.
Was das für die Prävention bedeutet
Der eigentliche Wert dieser Erkenntnisse liegt in den Perspektiven, die sie für Behandlung und Vorbeugung eröffnen. Wenn gemeinsame Signalwege wie die mikrogliäre Lipidansammlung oder Veränderungen der extrazellulären Matrix therapeutisch gezielt angesteuert werden können, könnten Erkenntnisse aus der Adipositasforschung die Alzheimer-Therapie bereichern – und umgekehrt. Das macht die Überschneidung wissenschaftlich bedeutsam, auch wenn die Motivation, beide Felder zu verbinden, teilweise finanzieller Natur ist.
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