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Forschung · Darm & Mikrobiom

Ein Darmbakterium schützt alternde Lungen vor Vernarbung

Redaktion LongevityWatch · 16. Juni 2026 · 2 min · English

Lungenfibrose ist eine ernste Erkrankung, bei der das Lungengewebe fortschreitend versteift und irreversiblen Schaden nimmt. Forschende entdeckten, dass ein bestimmtes Darmbakterium diesen Prozess bei Mäusen deutlich verlangsamen kann.

Lungenfibrose entsteht, wenn wiederholte Gewebeschäden in der Lunge Zellen aktivieren, die übermäßig viel Bindegewebe produzieren. Eine zentrale Rolle spielt dabei Kollagen: Das Strukturprotein, das normalerweise Halt gibt, lagert sich stattdessen in den kleinen Lungenbläschen ab. Die Forschenden, deren Ergebnisse im Fachjournal Aging Cell veröffentlicht wurden, setzten einen Bakterienstamm namens L9 ein, der ursprünglich aus Hundertjährigen isoliert wurde. Dieses Bakterium verabreichten sie Mäusen im Alter von 15 bis 24 Monaten.

Kollagengehalt sank um 40 Prozent

Ohne Behandlung entwickelten 24 Monate alte Mäuse eine ausgeprägte Lungenfibrose. Bei Mäusen, denen L9 verabreicht wurde, betrug der Gesamtfibrose-Score lediglich 70 % des in der Kontrollgruppe gemessenen Wertes. Die Menge der Kollagenfasern nahm um 40 % ab. Dieser Effekt kam durch eine Verringerung von PINP, einem Kollagen-Vorläufermolekül, sowie durch einen Rückgang von LOX zustande, einem Enzym, das Kollagenfasern quervernetzt.

Das Bakterium bewirkte diese Veränderungen über die Darm-Lungen-Achse: einen Weg, über den Stoffwechselprodukte von Darmbakterien in den Blutkreislauf gelangen und Organe an anderen Stellen des Körpers beeinflussen. Über dieselbe Route kommunizieren Darmbakterien auch mit Gehirn und Immunsystem.

Alterung macht die Lunge anfälliger

Die Studie zeigte außerdem, dass ältere Menschen bereits mehr Kollagenablagerungen in der Lunge aufwiesen, selbst wenn diese Proben als normal eingestuft wurden. Gene, die an der Produktion von Bestandteilen der extrazellulären Matrix (des Stützgewebes zwischen den Zellen) beteiligt sind, waren in älteren Lungenproben aktiver. Das deutet darauf hin, dass das Altern selbst das Lungengewebe anfälliger für Fibrose macht, noch bevor eine Erkrankung beginnt.

Die Befunde sind vorläufig und gelten bislang nur für Mäuse. Ob L9 beim Menschen vergleichbare Wirkungen erzeugt, wurde noch nicht untersucht. Aus Longevity-Perspektive ist es bemerkenswert, dass ein Darmmikrob offenbar in der Lage ist, altersbedingte Schäden in einem anderen Organ auf indirektem Weg zu begrenzen – wenngleich die Forschenden selbst bei weitreichenderen Schlussfolgerungen zur Vorsicht mahnen.

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