Ein Medikament gegen alternde Hautzellen besteht seinen ersten Sicherheitstest am Menschen
Ein Biotechnologieunternehmen, das sogenannte Zombiezellen bekämpft – Zellen, die aufhören sich zu teilen, aber nicht absterben und stattdessen umliegendes Gewebe schädigen –, hat erstmals gezeigt, dass sein Ansatz beim Menschen offenbar sicher ist.
Rubedo Life Sciences hat kürzlich vorläufige Ergebnisse einer klinischen Phase-1-Studie zu RLS-1496 bekannt gegeben. Das Mittel wurde an Patientinnen und Patienten mit Plaque-Psoriasis, atopischer Dermatitis und lichtgealterter Haut erprobt. Die Studie war doppelblind und placebokontrolliert – der Goldstandard in der frühen klinischen Forschung – und umfasste steigende Dosierungen, um sowohl die Sicherheit als auch erste Wirksamkeitshinweise zu beurteilen. Durchgeführt wurde die Studie an einem einzigen Zentrum in der Europäischen Union.
Die Zielzellen von RLS-1496 sind seneszente Zellen. Mit zunehmendem Alter häufen sich diese Zellen in Geweben an und setzen Entzündungssignale frei, die benachbarte gesunde Zellen schädigen. Dieser Prozess, bisweilen als seneszenzassoziierter sekretorischer Phänotyp oder SASP bezeichnet, gilt als einer der Treiber altersbedingter Erkrankungen. Wirkstoffe, die diese Zellen gezielt beseitigen sollen, heißen Senolytika und haben in den vergangenen zehn Jahren enormes wissenschaftliches und wirtschaftliches Interesse auf sich gezogen.
Warum die Haut als Testfeld naheliegt
Die Wahl von Hauterkrankungen als Einstiegspunkt für ein Senolytikum ist kein Zufall. Die Haut lässt sich direkt beobachten, leicht biopsieren und ist reich an seneszenten Zellen – besonders nach chronischer Sonnenexposition. Entzündliche Hauterkrankungen wie Psoriasis und Ekzem sind zudem von jener niedrigschwelligen, anhaltenden Entzündung geprägt, die seneszente Zellen mutmaßlich antreiben. Ein messbarer Effekt in diesem Bereich wäre ein aussagekräftiger Beleg dafür, dass der Mechanismus im lebenden Menschen funktioniert – und nicht nur bei Mäusen, wo Senolytika wiederholt beeindruckende Ergebnisse gezeigt haben.
Rubedo setzt Künstliche Intelligenz ein, um molekulare Signaturen zu identifizieren, die seneszente Zellen von gesunden unterscheiden. Ziel ist es, Wirkstoffe zu entwickeln, die präziser sind als Senolytika der ersten Generation, von denen einige breite Wirkungen auf Nicht-Zielzellen hatten. RLS-1496 ist auf ein spezifisches Proteintarget ausgerichtet, das in gealterten Hautzellen erhöht vorliegt.
Vielversprechend, doch die entscheidenden Fragen bleiben offen
Die vorläufigen Ergebnisse wurden als positiv beschrieben, doch Rubedo hat noch keine detaillierten Wirksamkeitsdaten in einer begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht, was eine unabhängige Überprüfung derzeit erschwert. Phase-1-Studien sind in erster Linie darauf ausgelegt, Sicherheit und Dosierung zu bestimmen, nicht den Wirksamkeitsnachweis zu erbringen. Die eigentliche Bewährungsprobe – ob das Mittel in einer größeren und längeren Studie dem Placebo überlegen ist – steht noch aus.
Dennoch ist dies ein bedeutsamer Schritt für das Senolytika-Forschungsfeld. Andere Verbindungen, darunter Dasatinib und Quercetin, befinden sich bereits in klinischen Studien am Menschen, doch RLS-1496 gehört zu den ersten, die speziell für die Haut auf Basis eines KI-gestützten Entwicklungsprozesses konzipiert wurden. Ob dieser Ansatz gegenüber früheren Methoden einen echten Vorteil bietet, muss sich erst noch zeigen. Die Geschichte der Langlebigkeitsforschung ist voll von Ergebnissen, die anfangs überzeugend wirkten und einer strengeren Prüfung nicht standhielten.