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Forschung · Hormone

Ein Stoffwechselhormon verlangsamte die Bandscheiben-Alterung bei Ratten – und wird beim Menschen bereits aus anderen Gründen getestet

Redaktion LongevityWatch · 3. April 2026 · 2 min · English

Rückenschmerzen durch verschlissene Bandscheiben gehören zu den häufigsten Folgen des Älterwerdens. Forschende haben nun in einem Rattenmodell gezeigt, dass ein Hormon, das vor allem für seine Rolle im Fettstoffwechsel bekannt ist, diesen Verfall erheblich verlangsamen kann – vermittelt durch ein Protein, das eng mit der zellulären Alterung verknüpft ist.

Bei dem Hormon handelt es sich um FGF21, einen Wachstumsfaktor, der den Energiestoffwechsel reguliert und bereits klinisch zur Behandlung von Leber- und Stoffwechselerkrankungen entwickelt wird. In einer in Aging Cell veröffentlichten Studie zeigten Forschende, dass FGF21 die Bandscheiben – die stoßdämpfenden Strukturen zwischen den Wirbelkörpern – schützt, indem es SIRT1 aktiviert, ein Protein aus der Sirtuinfamilie, das seit Langem mit zellulärer Wartung, Entzündungshemmung und Alterung in Verbindung gebracht wird.

Die Bandscheibendegeneration ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen im Lendenbereich. Die Bandscheiben fungieren als Puffer zwischen den Wirbelkörpern: Sie bestehen aus einem gelartigen Kern, der von einem Faserring umgeben ist. Mit dem Alter verliert der Kern Wasser, die Fasern verhärten, und die Bandscheibe kann reißen oder kollabieren, was Nerven unter Druck setzt und Schmerzen verursacht. Ein gewisses Maß an Bandscheibendegeneration ist bei Menschen über fünfzig nahezu universell.

Die Rolle von SIRT1

SIRT1 ist eine Deacetylase, ein Enzym, das die Aktivität anderer Proteine reguliert, indem es chemische Markierungen entfernt. Es wird durch Energiestress, Fasten und bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe wie Resveratrol aktiviert. Frühere Forschungsarbeiten haben SIRT1 mit der Unterdrückung von Entzündungssignalen und der Verlangsamung von Seneszenz in verschiedenen Geweben in Verbindung gebracht. In der aktuellen Studie steigerte die Gabe von FGF21 an Ratten mit induzierter Bandscheibendegeneration die SIRT1-Aktivität in Bandscheibenzellen, senkte Entzündungsmarker und verlangsamte den strukturellen Verfall. Behandelte Tiere wiesen im Vergleich zu Kontrolltieren weniger Gewebeschäden sowie eine besser erhaltene Bandscheibenhöhe und -integrität auf.

Ein schnellerer Weg zum Menschen als bei den meisten Wirkstoffen

Besonders bemerkenswert an diesem Befund ist, dass FGF21 bereits in klinischen Studien erprobt wird – allerdings für nichtalkoholische Fettlebererkrankungen und Stoffwechselstörungen, nicht für Rückenschmerzen. Synthetische Varianten und Analoga haben bereits klinische Entwicklungsphasen erreicht, was die Hürde für eine spätere Umwidmung des Wirkstoffs senkt. Dennoch ist der Weg von einem Rattenmodell zu einer bewährten Therapie beim Menschen weit, und das Forschungsfeld hat bereits viele vielversprechende Anti-Aging-Interventionen erlebt, die sich in klinischen Studien nicht reproduzieren ließen.

Bandscheibendegeneration ist zudem teilweise ein mechanisches Problem – nicht ausschließlich ein biologisches. Selbst wenn Entzündung und Seneszenz gehemmt werden, baut sich dehydriertes, kollabiertes Gewebe nicht einfach von selbst wieder auf. Ob eine systemische Behandlung wie FGF21 einem Zustand, der zu einem großen Teil durch jahrzehntelange körperliche Belastung bedingt ist, wirkungsvoll entgegenwirken kann, bleibt eine offene Frage – ebenso wie die Frage des richtigen Zeitpunkts: Wie früh müsste eine Intervention beginnen, um einen echten Unterschied zu machen?

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