Eine einzige Saunasitzung löst eine dem Sport ähnliche Immunreaktion aus
Regungsloses Sitzen in intensiver Hitze bewirkt offenbar etwas, das der Körper normalerweise körperlicher Anstrengung vorbehält. Eine einzige dreißigminütige Saunasitzung löst einen raschen, vorübergehenden Anstieg zirkulierender weißer Blutkörperchen aus – jener Zellen, die den Körper auf der Suche nach Bedrohungen patrouillieren.
Weiße Blutkörperchen sind die Frontlinie des Immunsystems. Sie zirkulieren durch den Blutkreislauf, erkennen Krankheitserreger und beseitigen geschädigte Zellen. Je mehr von ihnen im Umlauf sind, desto weitmaschiger ist das Netz der Immunüberwachung. Forschende berichten nun, dass eine einzige Saunasitzung von dreißig Minuten genügt, um einen messbaren Anstieg dieser Zellen auszulösen – eine Reaktion, die normalerweise auf moderate körperliche Bewegung folgt. Als wahrscheinlicher Mechanismus gilt der hitzebedingte Anstieg der Herzfrequenz sowie die Umverteilung des Blutflusses im gesamten Körper.
Was Hitze mit dem Körper macht
Wird der Körper hohen Temperaturen ausgesetzt, schlägt das Herz schneller und die Blutgefäße weiten sich, da der Organismus versucht, überschüssige Wärme abzugeben. Dieser physiologische Zustand ähnelt dem, was beim Sport geschieht – und das Immunsystem scheint entsprechend zu reagieren. Frühere epidemiologische Studien, größtenteils aus Finnland, wo das Saunabaden tief in der Kultur verwurzelt ist, haben regelmäßige Saunanutzung mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und vorzeitigen Tod in Verbindung gebracht. Was bislang fehlte, war eine mechanistische Erklärung: Warum sollte regelmäßiges Sitzen in der Hitze gesund sein?
Die neue Studie liefert einen Teil dieser Antwort. Die Mobilisierung weißer Blutkörperchen nach einer Saunasitzung legt nahe, dass das Immunsystem trainiert wird – nicht kontinuierlich, sondern durch wiederholte, kurzfristige Schübe. Ob diese Schübe tatsächlich zu einer besseren langfristigen Immunüberwachung oder zu weniger Infektionen bei regelmäßigen Saunagängern führen, lässt sich mit dieser Studie noch nicht belegen. Dafür sind Folgeuntersuchungen nötig, die Immunparameter über Wochen und Monate hinweg verfolgen.
Relevant für Menschen, die nicht Sport treiben können
Ein Grund, warum diese Studie im Kontext des Alterns besonders ins Auge fällt, ist ihre mögliche Bedeutung für Menschen, denen körperliche Bewegung schwerfällt oder unmöglich ist. Mit zunehmendem Alter lässt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems allmählich nach – ein Prozess, der als Immunoseneszenz bezeichnet wird. Gleichzeitig nimmt die körperliche Belastbarkeit ab, was die Hürde für regelmäßige sportliche Aktivität erhöht. Wenn Saunabaden einen Teil des immunstimulierenden Effekts von Bewegung nachahmen kann, könnte das für ältere Erwachsene, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder eingeschränkter Mobilität von Bedeutung sein.
Doch der Sprung von „weiße Blutkörperchen steigen vorübergehend an" zu „das verbessert die langfristige Gesundheit" ist größer, als die Studie nahelegt. Der beobachtete Anstieg ist flüchtig, und seine klinische Bedeutung bleibt unklar.