Länger leben: Mehr Bewegung, als Richtlinien empfehlen
Offizielle Bewegungsempfehlungen sollen Krankheiten vorbeugen. Doch reicht das aus, um gesund alt zu werden? Ein neues Perspektivpapier verneint dies.
Regierungen empfehlen Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Dieser Schwellenwert basiert darauf, was nötig ist, um Mängel zu vermeiden – nicht darauf, was für die Gesundheit optimal wäre. Dieser Unterschied ist von erheblicher Bedeutung, argumentiert der Autor eines neuen Perspektivartikels, Chris Macdonald vom Lucy Cavendish College der University of Cambridge. Die entscheidende Frage lautet nicht: Was brauche ich mindestens? Sondern: Was brauche ich, um bis ins hohe Alter körperlich leistungsfähig, selbstständig und geistig fit zu bleiben?
Mehr ist besser – bis zu einem gewissen Punkt
Studien zeigen, dass bereits fünfzehn Minuten körperliche Aktivität pro Tag mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden sind. Wer sich jedoch mehr bewegt, lebt tendenziell noch länger. Die Sterblichkeit sinkt weiter, je mehr Stunden Menschen täglich aktiv sind, wenngleich der Nutzen ab einem bestimmten Punkt abnimmt. Sowohl Krafttraining als auch Ausdaueraktivitäten spielen eine Rolle. In manchen Studien weisen Personen mit der geringsten Muskelkraft eine bis zu zweihundert Prozent höhere Sterblichkeit auf als die stärkste Gruppe. Zum Vergleich: Rauchen ist mit einem etwa fünfzigprozentigen Anstieg des Sterberisikos verbunden.
Auch die Intensität zählt. Intensivere Aktivität bringt pro Zeiteinheit einen größeren gesundheitlichen Nutzen als leichte Bewegung. Wer also wenig Zeit hat, profitiert mehr von anspruchsvollerem Training als von gemächlichem Spazierengehen.
Auch die Proteinzufuhr gehört auf den Prüfstand
Der Artikel befasst sich außerdem mit der Proteinzufuhr. Die gängige Empfehlung von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag reicht laut dem Autor zwar aus, um einem Mangel vorzubeugen, ist aber unzureichend, um im höheren Alter Muskelmasse zu erhalten. Eine höhere Proteinzufuhr in Kombination mit Krafttraining könnte den altersbedingten Muskelschwund (Sarkopenie) verlangsamen. Dabei handelt es sich um die Einschätzung des Autors auf Grundlage der verfügbaren Literatur, nicht um eine offizielle Empfehlung einer Gesundheitsbehörde.
Der Artikel ist ein Meinungsbeitrag, keine Interventionsstudie. Die beschriebenen Zusammenhänge sind beobachtungsbezogener Natur. Dennoch wirft er einen wichtigen Punkt auf: Leitlinien, die auf Gesundheitsoptimierung abzielen, sehen grundlegend anders aus als solche, die lediglich Mangelzustände verhindern sollen.
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