Erhöht die Antibabypille mein Krebsrisiko?
Die Pille senkt das Risiko für Eierstock- und Gebärmutterkrebs nachweislich, erhöht jedoch bei langjähriger Einnahme oder Einnahme vor einer ersten Schwangerschaft das Brustkrebsrisiko leicht. Sprich mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, wenn du dir unsicher bist.
Eierstock- und Gebärmutterkrebs treten bei Pillenanwenderinnen nachweislich seltener auf. Das Risiko für Eierstockkrebs sinkt um etwa 40 % – und dieser Schutzeffekt hält noch jahrelang an, nachdem du die Pille abgesetzt hast. Ähnliches gilt für Gebärmutterkrebs: Der Gestagen-Anteil der Pille bremst das Zellwachstum in der Gebärmutterschleimhaut, und auch dieser Vorteil bleibt nach dem Absetzen bestehen.
Beim Brustkrebs ist das Bild differenzierter. Für die durchschnittliche Anwenderin zeigt eine Auswertung von mehr als 72.000 Fällen kein signifikant erhöhtes Risiko. Zwei Gruppen verdienen jedoch besondere Aufmerksamkeit: Frauen, die die Pille vor ihrer ersten ausgetragenen Schwangerschaft nehmen, und Frauen, die sie länger als fünf Jahre einnehmen. In beiden Gruppen liegt das relative Risiko etwa 9 bis 14 % höher als bei Nicht-Anwenderinnen. Das klingt beunruhigend, doch weil junge Frauen grundsätzlich ein niedriges Ausgangsrisiko für Brustkrebs haben, ist das absolute Zusatzrisiko in der Praxis sehr gering.
Aktuelle oder kürzliche Pilleneinnahme (innerhalb der letzten zehn Jahre) scheint außerdem dazu zu führen, dass bereits angelegte Brustkrebsvorstufen etwas früher sichtbar werden. Die Pille erzeugt wahrscheinlich keine neuen Krebszellen, kann aber vorhandene leicht im Wachstum begünstigen. Die Tumoren, die bei Pillenanwenderinnen entdeckt werden, sind in der Regel weniger weit fortgeschritten als bei Nicht-Anwenderinnen. Nach dem Absetzen nimmt das erhöhte Risiko schrittweise wieder ab.
Für Gebärmutterhalskrebs gibt es Hinweise, dass langjährige Einnahme das Risiko leicht erhöht. Allerdings sind Pillenanwenderinnen auch häufiger dem HPV-Virus ausgesetzt – bedingt durch Verhaltensfaktoren wie selteneren Kondomgebrauch. Die Pille scheint die Wirkung von HPV zu verstärken, ist selbst aber keine direkte Ursache. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bleiben deshalb wichtig. Ob ein direkter biologischer Zusammenhang besteht, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere große epidemiologische Studien und Metaanalysen, darunter eine Metaanalyse von 79 Studien mit über 72.000 Brustkrebsfällen. Die beschriebenen Zusammenhänge sind überwiegend assoziativ; randomisiert-kontrollierte Studien zu Krebsrisiken sind aus ethischen und praktischen Gründen nicht durchführbar. Keine der zugrunde liegenden Quellen meldet finanzielle Interessenkonflikte.