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Erhöht Nachtarbeit mein Krebsrisiko?

Unsicher · Begrenzte Evidenz

Es gibt Hinweise, dass langjährige Nachtarbeit das Krebsrisiko leicht erhöht, doch die Evidenz ist begrenzt und widersprüchlich. Wer dauerhaft nachts arbeitet, sollte das bei Gesprächen über Vorsorgeuntersuchungen berücksichtigen.

Die vollständige Antwort

Mehrere Übersichtsarbeiten bringen Nachtschichten mit einem leicht bis mäßig erhöhten Krebsrisiko in Verbindung. Je nach Studie liegt dieses Risiko zwischen 1 % und 32 % höher als bei Menschen, die keine Nachtschichten arbeiten. Diese enorme Spanne sagt schon viel: Die Einzelstudien widersprechen sich häufig, und ein direkter ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt. Es handelt sich bislang um eine statistische Assoziation.

Der größte Teil der Forschung befasst sich mit Brustkrebs. Frauen, die mehr als 20 Jahre lang Nachtschichten arbeiten oder kürzere Zeiträume mit vielen aufeinanderfolgenden Nachteinsätzen absolvieren, scheinen ein erhöhtes Risiko zu haben. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte Nachtarbeit deshalb 2007 als "wahrscheinlich krebserregend" ein. Diese Einstufung stützt sich jedoch auf begrenzte Evidenz: Die Studien verwenden sehr unterschiedliche Definitionen von "Nachtschicht", und die Ergebnisse weichen erheblich voneinander ab. Belastbare Aussagen zur genauen Risikohöhe sind daher derzeit nicht möglich.

Als wichtigstes biologisches Erklärungsmodell gilt die Unterdrückung von Melatonin durch künstliches Licht in der Nacht. Melatonin ist ein Hormon, das der Körper im Dunkeln produziert und dem möglicherweise tumorhemmende Eigenschaften zukommen. Nachtarbeit stört zudem den Schlaf-Wach-Rhythmus grundlegend, was weitere biologische Folgen haben kann. Das klingt plausibel, ist beim Menschen aber noch nicht als ursächliches Bindeglied zweifelsfrei nachgewiesen.

Was bedeutet das konkret? Wer gelegentlich Nachtschichten übernimmt, hat keinen Grund zur ernsthaften Sorge. Das in den Studien erkennbare Risiko ist vergleichsweise gering und betrifft vor allem Menschen mit jahrzehntelanger, intensiver Nachtarbeit. Wer hingegen berufsbedingt dauerhaft nachts arbeitet, sollte das Thema Brustkrebsfrüherkennung und andere risikorelevante Lebensstilfaktoren im Gespräch mit dem Arzt ansprechen.

Die Belege
4 Studien · 2 Meta-Analysen

Basierend auf Metaanalysen und systematischen Reviews (PMID 27803010, 28770538, 31132107, 36834801). Alle Befunde sind assoziativer Natur; die zugrunde liegenden Studien sind in Definition und Ergebnis heterogen. Kausalität ist für Krebs allgemein nicht belegt; für Brustkrebs nach langjähriger Nachtarbeit wird der Zusammenhang als „wahrscheinlich" eingestuft (IARC 2007).

Zuletzt überprüft: Juli 2026
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