Ist ein Ganzkörper-MRT als Vorsorgeuntersuchung sinnvoll?
Für gesunde Menschen ohne erhöhtes erbliches Risiko ist ein präventives Ganzkörper-MRT nicht sinnvoll: Die Wahrscheinlichkeit unnötiger Folgeuntersuchungen ist hoch, und ein Beleg für einen echten gesundheitlichen Nutzen fehlt. Wer hingegen ein nachgewiesenes erbliches Krebsrisiko trägt, für den wird genau diese Untersuchung empfohlen.
Ein Ganzkörper-MRT klingt verlockend: eine einzige Aufnahme, der ganze Körper im Blick. Doch für gesunde Menschen ohne spezifisch erhöhtes Risiko fehlt jeder Beleg dafür, dass das tatsächlich nützt. Mehrwert, Zuverlässigkeit und Kosteneffektivität sind für die allgemeine Bevölkerung bislang nicht nachgewiesen1.
Das eigentliche Problem ist nicht, dass der Scan zu wenig findet, sondern dass er zu viel findet – und das hat selten gute Folgen. Eine Metaanalyse aus 12 Studien (5.373 Teilnehmer) zeigte, dass rund ein Drittel der gesunden Probanden einen auffälligen oder unklaren Befund hatte. Ein erheblicher Anteil davon erwies sich als falsch-positiv: im Mittel 16 %, mit einer Streubreite von 1,9 % bis 65,8 %. Langzeitdaten über fünf Jahre oder länger zu einem unauffälligen Befund fehlen vollständig2.
Ein zweiter Review aus 12 Studien (6.214 Scans) bestätigt dieses Bild. Nahezu alle Teilnehmer – 95 % – hatten mindestens einen auffälligen Befund. Bei 30 % war eine weitere Abklärung nötig, doch am Ende wurde nur bei 1,1 % tatsächlich Krebs bestätigt3. Eine Studie mit 576 beschwerdefreien Personen zeichnet ein etwas differenzierteres Bild: Bei 11,2 % führte der Scan zu einer Behandlung, und es wurden Krebserkrankungen (2,6 %) sowie Hirnaneurysmen (krankhafte Aussackungen von Blutgefäßen im Kopf, 4,8 %) entdeckt. Gleichzeitig übersah der Scan bei 2,8 % relevante Befunde, darunter fünf Krebsfälle. Für Darm-, Schilddrüsen- und Brustkrebs zeigte sich die Methode als nur eingeschränkt geeignet4.
Es gibt eine Gruppe, für die ein Ganzkörper-MRT eindeutig sinnvoll ist: Menschen mit nachgewiesenem erblich erhöhtem Krebsrisiko. Für sie wird die Untersuchung breit empfohlen – sowohl für Erwachsene als auch für Kinder mit entsprechender genetischer Veranlagung5,3. Auch bei einer bekannten Erkrankung wie dem multiplen Myelom gilt der Scan als anerkanntes Diagnoseinstrument6. Das ist grundlegend etwas anderes als das präventive Scannen gesunder Menschen.
Noch ein wichtiger Hinweis: Wie zufrieden jemand mit dem Scan ist, sagt wenig über seinen medizinischen Nutzen aus. Wer hohe Erwartungen an den Untersuchungsnutzen mitbringt, ist hinterher auch zufriedener mit dem Ergebnis – das zeigt eine kleine Studie mit 154 Teilnehmern7. Das erklärt, warum Menschen eine solche Untersuchung als wertvoll empfinden können, selbst wenn die Evidenz das für die meisten von ihnen nicht stützt.
Die Grundlage bilden zwei systematische Reviews mit Metaanalysen, eine retrospektive Kohortenstudie sowie mehrere Leitlinien- und Übersichtsarbeiten – zusammen mehr als 11.000 gescannte Personen in den quantitativen Studien. Die Studien sind untereinander sehr heterogen und enthalten keine randomisierten Untersuchungen zu langfristigen Gesundheitsendpunkten.