Macht Übergewicht deine Hormone wirklich schlechter?
Übergewicht stört mehrere Hormone gleichzeitig, wobei Insulinresistenz am stärksten belegt ist. Wer wissen möchte, ob sein Hormonstatus beeinträchtigt ist, sollte Insulin- und Blutzuckerwerte als ersten Ansatzpunkt überprüfen lassen.
Insulinresistenz ist die am besten belegte hormonelle Veränderung bei Übergewicht. Fettgewebe stört die Insulinempfindlichkeit der Zellen, sodass die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin produzieren muss. Hält dieses Muster an, steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes erheblich – und das gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene.
Fettzellen produzieren außerdem das Hungerhormon Leptin. Bei Übergewicht ist der Leptinspiegel dauerhaft erhöht, doch der Körper gewöhnt sich daran und reagiert immer schwächer darauf. Das Signal 'Ich bin satt' kommt schlechter an, was die Gewichtskontrolle zusätzlich erschwert.
Für Frauen sind die Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit deutlich spürbar. Adipöse Frauen haben bis zu dreimal häufiger einen ausbleibenden oder unregelmäßigen Eisprung. Besteht zusätzlich ein PCOS (eine weit verbreitete hormonelle Störung bei Frauen), verschlimmert Extra-Gewicht die Beschwerden in der Regel und erhöht das Risiko für eingeschränkte Fruchtbarkeit weiter.
Bei Kindern mit Übergewicht zeigt sich außerdem ein Zusammenhang mit einer früheren Pubertät, besonders bei Mädchen – erhöhte Leptinspiegel scheinen dabei eine Rolle zu spielen. Was Schilddrüsenfunktion und Cortisol (das Stresshormon) betrifft, beobachten einige Studien ebenfalls Veränderungen, doch die Befundlage ist widersprüchlicher und die genaue Ursache-Wirkungs-Beziehung bleibt unklar.
Ein wichtiger Vorbehalt: Der BMI erklärt nur etwa 17 % des Insulinresistenz-Risikos. Genetische Faktoren und sozioökonomische Umstände sind mindestens ebenso entscheidend. Übergewicht ist also ein echter Risikofaktor für hormonelle Störungen, aber nicht der einzige. Klar ist jedoch: Je mehr viszerales Fett – also das Fett um die inneren Organe – vorhanden ist, desto stärker die chronische Niedriggradientzündung, und genau diese Entzündung treibt Insulinresistenz und Organschäden weiter voran.
Die genannten Aussagen stützen sich auf zwei größere Reviews bzw. Metaanalysen sowie eine systematische Übersichtsarbeit kleinerer Studien, ergänzt durch einen mechanistischen Übersichtsartikel. Der Befund zu Probiotika bei PCOS basiert auf 11 kleinen iranischen Studien und wurde daher nicht als Empfehlung für die allgemeine Leserschaft aufgenommen.