Was ist der Unterschied zwischen Probiotika und Postbiotika?
Probiotika sind lebendig, Postbiotika nicht. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können Postbiotika eine sicherere Alternative sein, und beim Reizdarmsyndrom scheinen sie gleich gut zu wirken. Bei den meisten anderen Beschwerden bleibt noch offen, welche Variante besser geeignet ist.
Probiotika sind lebende Bakterien – zum Beispiel Lactobacillus- und Bifidobacterium-Arten – die du in ausreichender Menge aufnehmen musst, damit sie wirken. Sie können die Zusammensetzung deiner Darmflora beeinflussen und dabei helfen, krankmachende Bakterien zurückzudrängen. Das entscheidende Merkmal ist ihre Lebendigkeit: Ohne lebende Bakterien handelt es sich schlicht nicht um Probiotika.
Postbiotika stammen zwar von denselben Mikroorganismen ab, sind selbst aber nicht mehr lebendig. Darunter fallen zum Beispiel durch Hitze abgetötete Bakterien oder Stoffe, die Bakterien während ihres Lebens produzieren – etwa kurzkettige Fettsäuren. Postbiotika sind stabil, lassen sich leichter lagern und transportieren als lebende Probiotika und gelten für Menschen mit geschwächtem Immunsystem als sicherer. Bei dieser Gruppe können lebende Bakterien in seltenen Fällen ein Risiko darstellen.
Ob Postbiotika genauso wirksam sind wie Probiotika? Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 200 Teilnehmenden mit Reizdarmsyndrom (Diarrhö-Typ) verglich einen lebenden Bifidobacterium longum-Stamm mit der durch Hitze abgetöteten, nicht lebenden Variante desselben Stammes. Nach zwölf Wochen sank der Symptom-Score beim lebenden Probiotikum im Schnitt um 173 Punkte, beim Postbiotikum um 177 Punkte – gegenüber 60 Punkten in der Placebogruppe. Beide Varianten waren damit vergleichbar wirksam. Das ist vielversprechend, doch es handelt sich um eine einzige Studie mit einem einzigen Stamm bei einer einzigen Erkrankung.
Jenseits dieses direkten Vergleichs gilt: Für die meisten Anwendungsgebiete von Probiotika wie auch von Postbiotika ist die Evidenzlage nach wie vor dünn. Bei Darmerkrankungen wie IBD, bei Adipositas und bei Schlafproblemen fallen die Ergebnisse bislang widersprüchlich oder unzureichend aus. Die einzige Mikrobiom-Intervention mit wirklich belegtem Nutzen ist die fäkale Transplantation bei wiederkehrender Clostridioides difficile-Infektion. Für alle anderen Erkrankungen ist es noch zu früh für klare Empfehlungen.
Basierend auf mehreren Reviews und einer RCT (n=200). Die Vergleichsstudie Probiotikum vs. Postbiotikum bezieht sich auf einen einzigen Bakterienstamm bei einer einzigen Erkrankung. Weiterreichende Aussagen sind bislang nicht ausreichend belegt.