Welche Rolle spielen Entzündungen beim Altern von Zellen?
Entzündung und zelluläre Seneszenz schaukeln sich in zwei Teufelskreisen gegenseitig hoch und führen so zu Gewebeschäden und altersbedingten Erkrankungen. Sowohl der Schutz vor oxidativem Stress (etwa durch Sonnenschutz und Lebensstil) als auch künftige gezielte Therapien setzen genau an dieser Wechselwirkung an.
Seneszente Zellen hören zwar auf, sich zu teilen, agieren aber keineswegs als stille Passagiere. Sie schütten einen Cocktail aus Entzündungsbotenstoffen aus – eine Eigenschaft, die Forschende als SASP bezeichnen. Diese Stoffe schädigen nicht nur das unmittelbare Umfeld, sondern können auch benachbarte gesunde Zellen in denselben seneszenten Zustand treiben. Damit verstärkt sich der Prozess selbständig.
Gleichzeitig greift die anhaltende, niedriggradige Entzündung das Immunsystem selbst an. Alternde Immunzellen verlieren die Fähigkeit, seneszente Zellen aus dem Gewebe zu entfernen. Das Ergebnis ist ein zweiter Teufelskreis: Weniger Aufräumarbeit bedeutet mehr Ansammlung seneszenter Zellen – und damit noch mehr Entzündung. Dieses Muster wird als Inflammaging bezeichnet und ist in mehreren Studien konsistent nachgewiesen worden.
Der Schaden bleibt nicht auf eine Körperstelle beschränkt. Dauerhaft erhöhte Entzündungswerte in Organen wie Leber, Knochenmark und Lunge hängen mit altersbedingten Erkrankungen wie Demenz, Arthritis und Typ-2-Diabetes zusammen. Ob Entzündung in jedem dieser Fälle die eigentliche Ursache ist oder eher ein Begleitphänomen darstellt, variiert je nach Organ und ist noch nicht vollständig geklärt. Im Gehirn ist immerhin gut belegt, dass DNA-Schäden und Seneszenz in Hirn- und Immunzellen zu Neuroinflammation und Gedächtnisabbau beitragen.
Zwei Schutzmechanismen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Erstens: Bei Menschen, die älter als 110 Jahre werden, zeigen Blutzellen vergleichsweise viele aktive Ribosomen – jene Strukturen, die Proteine herstellen. Laborversuche, in denen diese Aktivität gehemmt wurde, führten zu verstärkter Entzündung, was darauf hindeutet, dass eine hohe Proteinsynthese-Kapazität die Entzündungsreaktion in Schach hält. Zweitens spielt Nrf2, ein zellulärer Schutzschalter, eine wichtige Rolle. Seine Aktivität nimmt mit dem Alter ab, wodurch oxidativer Stress und SASP-Entzündung zunehmen. Eine Aktivierung von Nrf2 könnte Inflammaging bremsen – allerdings stützen sich diese Erkenntnisse bislang auf Übersichtsarbeiten und Modellstudien, nicht auf große klinische Studien.
In der Haut läuft dieser Prozess über reaktive Sauerstoffmoleküle, die bei UV-Schäden oder Verbrennungen freigesetzt werden. Diese Moleküle treiben Bindegewebszellen in die Seneszenz, woraufhin SASP-Botenstoffe weitere Hautzellen schädigen. Bei Frauen gibt es zudem eine lokale Variante in den Eierstöcken: Alternde Eierstöcke zeigen mehr Entzündung, eine höhere Dichte an Immunzellen sowie verstärkte Seneszenz in den Zellen, die Eizellen umgeben. Ob die Entzündung hier Ursache oder Folge ist, bleibt noch offen.
Die Aussagen basieren auf mehreren publizierten Studien mit unterschiedlicher Evidenzstärke: Der Zusammenhang zwischen SASP und Inflammaging ist stark belegt; die Verbindung zu Organschäden und Erkrankungen ist assoziativ; die Befunde zu Ribosomen und Nrf2 sind vorläufig und beruhen auf Modellstudien sowie Übersichtsarbeiten. Die Gesamtzahl der Studienteilnehmer ist nicht bekannt und wurde in den Quelldaten nicht angegeben.