Wie gefährlich ist Bauchfett?
Viel Bauchfett erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gallensteine und Fettleber – auch ohne weitere Stoffwechselprobleme. Die wirksamste Gegenmaßnahme ist die Kombination aus mediterraner Ernährung und zwei Stunden Bewegung pro Woche.
Nicht jedes Bauchfett ist gleich riskant. Das tief im Bauchraum liegende Fett rund um die Organe – viszerales Fett – ist das eigentliche Problem. Eine chinesische Kohortenstudie mit mehr als 8.000 Teilnehmern über neun Jahre zeigte, dass Menschen mit viel Bauchfett ein um 75 bis 87 Prozent erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten1. Bemerkenswert: Das Risiko war am höchsten bei Menschen mit viel Bauchfett, die keinerlei klassische Stoffwechselprobleme wie Insulinresistenz aufwiesen. Bauchfett ist damit ein eigenständiger Risikofaktor – unabhängig von anderen Erkrankungen2.
Auch jenseits des Herzens sind die Risiken erheblich. In einer amerikanischen Studie mit mehr als 5.000 Teilnehmern hatten diejenigen mit dem meisten Bauchfett ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko für Gallensteine3. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, lässt sich keine Kausalität ableiten, doch der Unterschied ist frappierend. Wenig Muskelmasse in Kombination mit viel Bauchfett erhöhte das Risiko für eine Fettleber sogar um das Vierfache4. Muskelaufbau scheint also unabhängig vom Gewichtsverlust einen eigenen Schutzeffekt zu haben.
Wie viel viszerales Fett jemand trägt, hinterlässt sogar Spuren im Blut. Eine Untersuchung an knapp 17.000 Menschen mit Dutzenden Millionen Proteinmessungen erkannte ein charakteristisches Muster im Blutproteinprofil5. Mehrere Autorinnen und Autoren arbeiteten für das Unternehmen hinter der verwendeten Messtechnologie, was die Interpretation der Ergebnisse beeinflussen kann. Im klinischen Alltag kommt diese Methode noch nicht zum Einsatz, doch sie verdeutlicht, wie weitreichend die Auswirkungen von Bauchfett sind.
Die gute Nachricht: Bauchfett lässt sich gezielt reduzieren. Die Kombination aus mediterraner Ernährung – mit viel Hülsenfrüchten und pflanzlichen Lebensmitteln – und rund zwei Stunden Bewegung pro Woche senkte das viszerale Fett nach 12 Wochen signifikant bei Über-50-Jährigen mit erhöhtem Herzrisiko6. Weder Bewegung noch Ernährungsumstellung allein erzielte diesen Effekt. Entscheidend war die Kombination.
Wer über Medikamente nachdenkt: Der Wirkstoff Liraglutid, vergleichbar mit dem bekannteren Semaglutid, reduzierte das viszerale Fett in 36 Wochen im Durchschnitt um 12,5 Prozent, gegenüber 1,6 Prozent in der Placebogruppe7. Allerdings entwickelte fast die Hälfte der Anwenderinnen und Anwender Magen-Darm-Beschwerden. Zudem wurde die Studie vom Hersteller Novo Nordisk finanziert, was die Ergebnisse positiv verzerrt haben könnte.
Alle Aussagen stützen sich auf Kohortenstudien, Querschnittsstudien oder kleinere randomisierte kontrollierte Studien. Große randomisierte Langzeitstudien fehlen bislang. Bei zwei Studien bestehen mögliche Interessenkonflikte: Eine wurde vom Arzneimittelhersteller finanziert, bei einer weiteren waren Autorinnen und Autoren für das Unternehmen hinter der verwendeten Technologie tätig.