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Forschung · Schlaf

Schläfchen im Alter: harmlose Gewohnheit oder Warnsignal?

Redaktion LongevityWatch · 3. Mai 2026 · 2 min · English

Millionen älterer Menschen halten tagsüber ein Nickerchen und fühlen sich dabei wohler. Doch eine neue Studie bringt längeres und häufigeres Schlafen am Tag mit einem erhöhten Sterberisiko in Verbindung. Die unbequeme Frage, die sich daraus ergibt: Ist das Nickerchen selbst das Problem – oder sendet der Körper damit ein Signal, dass bereits etwas anderes nicht stimmt?

Forschende haben den Zusammenhang zwischen Tagesschlafverhalten und Sterblichkeit bei älteren Menschen untersucht. Ihr Befund: Wer häufiger und länger schläft, hat im Durchschnitt ein höheres Risiko, früher zu sterben. Der Zusammenhang blieb auch nach Berücksichtigung bekannter Risikofaktoren wie Herzerkrankungen, Diabetes und Depression bestehen. Die Studienautorinnen und -autoren schlagen vor, Häufigkeit und Dauer des Tagesschlafs als Verhaltensmarker für ein erhöhtes Sterberisiko zu nutzen – eine einfache Frage, die Ärztinnen und Ärzte bei einer Routineuntersuchung stellen könnten.

Diese Einordnung klingt alarmierend, doch die wichtigste Einschränkung der Studie ist zugleich ihr wichtigster Vorbehalt. Es handelt sich um Beobachtungsforschung: Sie misst eine Assoziation, keine Kausalität. Viele Schlafforschende halten es für wahrscheinlicher, dass übermäßiger Tagesschlaf eine Folge eines bereits physiologisch belasteten Körpers ist – und keine Ursache für einen früheren Tod. Erschöpfung, chronische Entzündungen, Herzkreislaufprobleme oder eine beginnende Demenz können allesamt den Schlafdrang tagsüber erhöhen.

Ab wann wird ein Nickerchen zum Warnsignal?

Zwischen zwanzig und sechzig Prozent der älteren Menschen schlafen regelmäßig tagsüber – in vielen Kulturen ist das völlig selbstverständlich. Kurze Nickerchen von etwa zwanzig bis dreißig Minuten wurden in mehreren Studien mit verbesserter kognitiver Leistung und gesteigerter Wachheit in Verbindung gebracht. Die Bedenken richten sich offenbar gezielt auf langes und häufiges Schlafen am Tag, besonders wenn gleichzeitig der Nachtschlaf gestört ist.

Die Studie analysierte Häufigkeit und Dauer des Tagesschlafs getrennt voneinander – beide Variablen waren unabhängig voneinander mit der Sterblichkeit assoziiert. Wer täglich eine Stunde schläft, weist ein anderes Risikoprofil auf als jemand, der gelegentlich zwanzig Minuten döst. Diese Unterscheidung gibt Klinizierenden ein greifbareres Instrument an die Hand als die schlichte Frage, ob sich jemand müde fühlt.

Ein Signal, kein Urteil

Die Autorinnen und Autoren formulieren ihre Schlussfolgerungen mit Bedacht. Sie beschreiben ausdrücklich eine Assoziation und keine Kausalbeziehung und fordern weiterführende Forschung, die in der Lage ist, Nickerchen als Ausdruck eines zugrundeliegenden Gesundheitsproblems von solchen zu unterscheiden, die möglicherweise selbst zu einem beitragen. Die vorliegenden Daten erlauben diese Unterscheidung noch nicht eindeutig.

Was bleibt, ist eine leise beunruhigende Botschaft. Ein Mittagsschläfchen könnte mehr sein als eine Frage persönlicher Vorlieben. Die praktische Schlussfolgerung für ältere Menschen und die sie betreuenden Fachkräfte lautet vielleicht: Wenn das Nickerchen länger oder häufiger wird, verdient diese Veränderung Aufmerksamkeit – nicht um dagegen anzukämpfen, sondern als Anlass, genauer hinzuschauen, was sonst noch im Körper vor sich geht.

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