Alternde Zellen bei Hundertjährigen: SIRT6 macht den Unterschied
Hundertjährige sind selten, doch sie bergen einen Hinweis. In ihrer DNA steckt eine Variante eines Proteins, die die Anhäufung alternder Zellen bremst. Das kann neuen Behandlungen gegen die Zellalterung eine Richtung geben.
Alternde Zellen (seneszente Zellen) sind Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber auch nicht absterben. Sie häufen sich mit zunehmendem Alter in den Geweben an und senden Entzündungssignale aus, die umliegende Zellen schädigen. Bei Menschen, die hundert Jahre oder älter werden, scheint dieser Prozess langsamer zu verlaufen. Die Forscher entdeckten, dass zwei Varianten im Gen SIRT6, die häufiger bei aschkenasisch-jüdischen Hundertjährigen vorkommen, die Produktion des SIRT6-Proteins erhöhen und die Anhäufung alternder Zellen verlangsamen.
SIRT6 ist ein Enzym, das an der DNA-Reparatur und der Regulierung der Genaktivität beteiligt ist. Die Centenarian-Varianten verändern, wie SIRT6 mit anderen Proteinen in der Zelle zusammenwirkt, darunter Vimentin. Die Folge: Zellen, die diese Varianten tragen, erreichen den Zustand der Seneszenz später und sind widerstandsfähiger gegen Zellstress, der die Alterung normalerweise beschleunigt.
Was das für die Alternsforschung bedeutet
Die Forscher untersuchten auch, ob sich dieser Effekt nachbilden lässt. Mittels Gentherapie mit einem viralen Vektor (AAV) schleusten sie die Centenarian-Variante von SIRT6 in Zellen ein. Auch die pharmakologische Aktivierung von SIRT6 mit einem bereits vorhandenen Wirkstoff zeigte vergleichbare Effekte in der Zellkultur. Diese Ergebnisse sind vorläufig und auf Laborbedingungen beschränkt.
Wichtiger Vorbehalt: Ziel dieser Untersuchung ist nicht, die genaue Biochemie von Hundertjährigen nachzuahmen. Die Autoren betonen, dass der große Nutzen darin liegt zu verstehen, welche Alterungsmechanismen am wichtigsten sind, damit gezieltere Therapien entwickelt werden können, um alternde Zellen zu entfernen oder ihre schädlichen Signale zu blockieren.
Wie geht es weiter?
Der Befund stärkt die wissenschaftliche Grundlage für die sogenannte Senotherapie, eine Forschung, die auf das selektive Entfernen oder Neutralisieren alternder Zellen abzielt. Ob die SIRT6-Aktivierung letztlich ein sicheres und wirksames Ziel für Medikamente beim Menschen wird, erfordert noch umfangreiche klinische Forschung. Vorerst liefert sie einen konkreten Mechanismus, an dem künftige Interventionen ansetzen können.
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