Bluttest kartiert seneszente Zellen Gewebe für Gewebe
Seneszente Zellen häufen sich im Körper an und richten Schaden an. Bislang war es schwierig zu messen, welche Gewebe am stärksten betroffen sind. Ein neuer Ansatz mit einem einfachen Bluttest macht dies erstmals möglich.
Seneszente Zellen hören auf, sich zu teilen, sterben aber nicht ab. Stattdessen schütten sie ein Gemisch aus entzündungsfördernden Substanzen aus, das das umliegende Gewebe schädigt. Dieses Sekretionsgemisch wird als SASP (secretory associated senescence phenotype) bezeichnet. Mit zunehmendem Alter akkumulieren seneszente Zellen in nahezu jedem Organ.
Zellspezifische Signaturen im Blut
Forschende stellten fest, dass verschiedene Arten seneszenter Zellen jeweils einen eigenen, charakteristischen Proteincocktail absondern. Diese zellspezifischen Signaturen lassen sich im Blut nachweisen. Die Wissenschaftler analysierten Daten von 1.275 Teilnehmenden der Baltimore Longitudinal Study of Aging sowie von 997 Teilnehmenden der italienischen InCHIANTI-Studie.
Die mit seneszenten Zellen assoziierten Proteinmuster übertrafen andere zirkulierende Proteine bei der Vorhersage klinischer Parameter. Sie korrelierten mit der Gehgeschwindigkeit, Bluthochdruck und dem biologischen Alter und schnitten dabei in dieser Studie über mehrere klinische Maßzahlen hinweg besser ab als andere zirkulierende Marker.
Bedeutung für die Altersforschung
Die Möglichkeit, die Seneszenzlast nach Gewebetyp zu messen, ist aus mehreren Gründen wertvoll. Erstens könnte sie dabei helfen, festzustellen, welche Organe bei einer bestimmten Person am schnellsten altern. Zweitens bietet sie ein potenzielles Messinstrument für Therapien, die gezielt auf seneszente Zellen abzielen – sogenannte Senolytika. Bisher fehlte eine zuverlässige, nicht-invasive Methode, um zu beurteilen, ob solche Therapien wirken.
Die Autorinnen und Autoren betonen, dass es sich um einen ersten Schritt handelt. Die Ergebnisse sind vielversprechend, doch vor einem klinischen Einsatz sind weitere Validierungsstudien erforderlich. Die gemessenen Proteine stammen aus einer Vielzahl von Zelltypen, was die Interpretation zusätzlich erschwert.
Für die Longevity-Forschung markiert diese Arbeit einen bemerkenswerten Meilenstein: die Erkenntnis, dass Altern im Körper nicht gleichmäßig abläuft, sondern sich Gewebe für Gewebe über das Blut verfolgen lässt.
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