Beeinflussen männliche Hormone, wie schnell Männer altern?
Sinkende Testosteronspiegel beschleunigen messbare Alterungsprozesse in Muskeln, Knochen und der Sexualfunktion – für Stimmung und Haut sind die Zusammenhänge weit weniger gesichert. Eine Testosteronsubstitution kann manche Beschwerden lindern, aber das individuelle Risikoprofil sollte vor Beginn unbedingt mit einem Arzt besprochen werden.
Der Testosteronspiegel sinkt bei Männern ab etwa dem 35. Lebensjahr kontinuierlich. Mit 75 Jahren verfügt ein Mann im Durchschnitt noch über 65 % des Testosteronspiegels eines jungen Erwachsenen – und mehr als ein Viertel aller Männer über 75 liegt sogar unterhalb des normalen Referenzbereichs. Bevölkerungsstudien und Langzeituntersuchungen belegen diesen Rückgang übereinstimmend.
Dieser Abfall hat messbare Auswirkungen auf den Körper. Am stärksten belegt sind der Verlust an Muskelmasse und Muskelkraft (Sarkopenie) sowie die Abnahme der Knochendichte. Interessant dabei: Beim Knochenabbau spielt nicht nur Testosteron eine Rolle, sondern auch Östrogen, das der männliche Körper in kleinen Mengen selbst produziert. Sinkt der Testosteronspiegel, fällt also auch der Östrogenspiegel – was den Knochenabbau zusätzlich beschleunigt. Nachlassende Libido und Erektionsprobleme sind bei Testosteronmangel ebenfalls gut dokumentiert, wenngleich der Zusammenhang mit dem gemessenen Blutwert nicht immer linear ist.
Weniger eindeutig ist der Einfluss auf Stimmung und Gedächtnis. Es gibt Hinweise darauf, dass Testosteronmangel mit Niedergeschlagenheit und Konzentrationsproblemen einhergeht, ein direkter ursächlicher Zusammenhang lässt sich aber schwer nachweisen. In Studien zeigte Testosteron keine konsistente antidepressive Wirkung. Der Einfluss auf Haut und Haarwuchs ist auf Basis der verfügbaren Daten derzeit rein spekulativ.
Nicht jeder Testosteronabfall hat dieselbe Ursache – und das ist für die Behandlung entscheidend. Bei jüngeren älteren Männern stecken häufig Übergewicht, die Einnahme von Opioiden oder Kortikosteroiden oder eine chronische Erkrankung dahinter. Solcher sekundärer Testosteronmangel lässt sich manchmal durch Gewichtsabnahme oder die Behandlung der Grunderkrankung beheben. Ab etwa 65 bis 70 Jahren werden jedoch die testosteronproduzierenden Zellen in den Hoden zunehmend direkt geschädigt. Dieser Rückgang ist in der Regel unumkehrbar – unabhängig vom Lebensstil.
Testosteronsubstitution kann bei manchen Männern Beschwerden lindern, doch ihre Langzeitsicherheit ist noch nicht ausreichend untersucht. Bei bestehendem Prostatakrebs ist sie grundsätzlich nicht empfehlenswert. Die Auswirkungen auf Herz und Gefäße sind unklar, und große Langzeitstudien an älteren Männern fehlen nach wie vor. Die Entscheidung für oder gegen eine Substitution gehört in die Hände eines Arztes, der zuvor auch die Ursache des Mangels abgeklärt hat.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere Bevölkerungsstudien und klinische Übersichtsarbeiten. Der Testosteronabfall selbst sowie seine Auswirkungen auf Muskeln und Knochen sind gut belegt. Die Zusammenhänge mit Stimmung und Haut basieren hingegen nur auf Assoziationsdaten und sind schwächer dokumentiert. Sicherheitsdaten zur langfristigen Testosteronsubstitution bei älteren Männern sind bislang begrenzt.