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Bekommen Männer auch Osteoporose?

Ja · Mäßige Evidenz

Männer bekommen Osteoporose – und haben nach einem ersten Knochenbruch ein höheres Folgebruch- und Sterberisiko als Frauen. Als Mann mit Risikofaktoren (Testosteronmangel, Dauertherapie mit Kortikosteroiden oder starker Alkoholkonsum) solltest du deine Knochendichte messen lassen, denn derzeit wird nur 1 von 10 betroffenen Männern angemessen behandelt.

Die vollständige Antwort

Weltweit gehen rund 40 % aller osteoporosebedingten Knochenbrüche auf das Konto von Männern – Tendenz steigend. Trotzdem hält sich hartnäckig das Vorurteil, Osteoporose sei eine Frauenkrankheit. Das hat handfeste Folgen: Nur 1 von 10 betroffenen Männern wird angemessen behandelt.

Wer als Mann einmal einen Knochenbruch erlitten hat, steht danach schlechter da als eine Frau in derselben Situation. Sowohl das Risiko für einen weiteren Bruch als auch die Sterblichkeit nach dem ersten Bruch sind bei Männern höher. Gerade deshalb ist eine frühe Erkennung und Behandlung bei Männern nicht weniger dringlich – sie ist sogar noch wichtiger als bei Frauen.

Bei Männern lässt sich bei bis zu der Hälfte aller Osteoporosefälle eine konkrete Grunderkrankung als Ursache ausmachen. Die drei häufigsten sind Testosteronmangel (Hypogonadismus), übermäßiger Alkoholkonsum und die Dauereinnahme von Kortikosteroiden, also entzündungshemmenden Medikamenten, die zum Beispiel bei Asthma, Rheuma oder Darmerkrankungen verschrieben werden. Wer einen dieser Risikofaktoren hat, sollte seine Knochengesundheit überprüfen lassen – auch ohne bisher einen Bruch gehabt zu haben.

Ob Männer ohne Beschwerden routinemäßig gescreent werden sollten, ist international nicht einheitlich geregelt. Die Bone Health and Osteoporosis Foundation empfiehlt eine Knochendichtemessung ab 70 Jahren, bei Risikofaktoren auch früher. Die U.S. Preventive Services Task Force sah dagegen keine ausreichende Evidenz, um ein generelles Screening für alle Männer zu befürworten. Wer jedoch Risikofaktoren mitbringt – wie die oben genannten –, kommt für eine gezielte Abklärung infrage.

Als medikamentöse Behandlung kommen auch bei Männern Bisphosphonate zum Einsatz. Sie senken das Risiko für Wirbelkörperfrakturen. Die Datenlage ist vielversprechend, aber schmaler als bei Frauen: Klinische Studien an Männern umfassten weniger Teilnehmer und liefen über kürzere Zeiträume. Bei Männern mit nachgewiesenem Testosteronmangel kann eine Hormonersatztherapie die Knochendichte verbessern – allerdings nur, wenn eine klare medizinische Indikation vorliegt.

Die Belege
5 Studien

Alle Aussagen stützen sich auf eine primäre Quelle (PMID 36382763), ergänzt durch zwei Studien zum Screening (PMID 36920813, 32773051) und zwei zu Bisphosphonaten (PMID 28492856, 12424871). Es handelt sich überwiegend um Beobachtungsstudien und Leitlinienanalysen; die RCT-Datenbasis für die Behandlung von Männern ist schmaler als die für Frauen.

Zuletzt überprüft: Juni 2026
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