Erhöht chronischer Schlafmangel das Schlaganfallrisiko?
Chronisch schlechter oder zu kurzer Schlaf hängt mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen, einschließlich Schlaganfall. Wer dauerhaft schlecht schläft, sollte das mit seinem Arzt im Rahmen der kardiovaskulären Vorsorge besprechen.
Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf hängen mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko zusammen. Die auffälligste Zahl stammt aus der Forschung zu Langschläfern: Wer strukturell überdurchschnittlich viel schläft, hat ein um 46 % höheres Schlaganfallrisiko als Menschen mit normaler Schlafdauer. Das ist bemerkenswert hoch – allerdings mit einem wichtigen Vorbehalt: Viel zu schlafen kann auch ein frühes Anzeichen einer zugrundeliegenden Erkrankung sein, nicht unbedingt deren Ursache.
Bei chronisch zu kurzem Schlaf ist das Bild differenzierter. Eine Analyse mit mehr als fünf Millionen Teilnehmern zeigte, dass Kurzschläfer ein um 16 % höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen insgesamt hatten. Das Schlaganfallrisiko wurde in dieser Untersuchung nicht gesondert berechnet, weshalb es sich hier weniger präzise beziffern lässt. Dennoch gibt es keinen Grund, den Befund abzutun: Zu kurze Schlafdauer fügt sich in ein Muster erhöhter kardiovaskulärer Gefährdung ein.
Schichtarbeit, bei der Schlafmangel zum Dauerzustand wird, geht mit einem leicht erhöhten Schlaganfallrisiko von 5 % einher. Das klingt gering – doch die Studienlage ist widersprüchlich, und unklar bleibt, ob der Schlafmangel selbst der entscheidende Faktor ist oder andere Begleitumstände unregelmäßiger Arbeit wie Stress oder ein ungünstiger Lebensstil.
Alle Zusammenhänge stammen aus großen Beobachtungsstudien, nicht aus Experimenten, in denen Schlaf gezielt verändert wurde. Eine direkte Ursache-Wirkungs-Aussage lässt sich daraus also nicht ableiten. Dennoch ist das über mehrere große Studien hinweg konsistente Muster Grund genug, chronischen Schlafmangel als ernsthafte Größe für die kardiovaskuläre Gesundheit zu betrachten.
Basierend auf drei Metaanalysen großer prospektiver Kohortenstudien (insgesamt mehr als 5 Millionen Teilnehmer). Alle Zusammenhänge sind assoziativ – kausale Belege liegen nicht vor. Das Schlaganfallrisiko als eigenständiger Endpunkt bei Kurzschläfern ließ sich in einer der Metaanalysen nicht ausreichend berechnen.