Halten Fischölkapseln mein Gedächtnis fit?
Fischölkapseln halten dein Gedächtnis wahrscheinlich nicht fit. Mehrere Humanstudien, darunter systematische Reviews und randomisierte Studien, zeigen überwiegend keinen Effekt – eine Studie fand sogar kleine negative Signale.
DHA und EPA, die Fettsäuren im Fischöl, sind fester Bestandteil der Zellmembranen von Neuronen. In Mausstudien verbessert DHA die Gedächtnisleistung und bremst die Ablagerung schädlicher Proteine im Gehirn1. Auf zellulärer Ebene regt DHA außerdem die Bildung eines Fettmoleküls an, das die Signalübertragung zwischen Nervenzellen unterstützt2. Die biologische Plausibilität klingt überzeugend – doch beim Menschen ist dieser Nutzen bislang nicht belegt.
Sobald Fischöl als eigenständiges Nahrungsergänzungsmittel am Menschen getestet wird, bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Ein umfassender systematischer Review zu Behandlungsansätzen bei Demenz stufte Omega-3 bei kognitiven Beschwerden als nicht wirksam ein3. Ein weiterer Review ergänzte, dass Omega-3-Präparate offenbar weniger schützend wirken als eine mediterrane Ernährung in ihrer Gesamtheit4. Der Ernährungskontext rund um Fisch scheint also entscheidend zu sein – nicht das isolierte Supplement.
Eine große Humanstudie gibt zusätzlichen Anlass zur Vorsicht. Bei 197 älteren Erwachsenen mit leichten Gedächtnisproblemen wurde über zwölf Monate ein DHA-reiches Fischölpräparat in Kombination mit Kakaoflavanolen eingesetzt. Beim primären Endpunkt blieb eine Verbesserung aus. Beim Planen und Organisieren sowie bei der Reaktionsschnelligkeit schnitt die Fischölgruppe sogar leicht schlechter ab als die Kontrollgruppe. Auch das Volumen der Hirnrinde nahm geringfügig ab5. Die Effekte waren klein, senden aber ein deutliches Warnsignal.
Es gibt auch eine positivere Studie. Eine 24-monatige Untersuchung mit sechzig gesunden Personen ab 65 Jahren stellte fest, dass ein Kombipräparat aus Fischöl, Carotinoiden und Vitamin E das Arbeitsgedächtnis im Vergleich zu Placebo signifikant verbesserte6. Die Effekte waren allerdings bescheiden, mehrere Forschende hatten finanzielle Verbindungen zu Nahrungsergänzungsmittelherstellern, und das Präparat enthielt weitaus mehr als nur Fischöl. Welcher Bestandteil den Unterschied gemacht hat, bleibt offen.
Sieben Quellen ausgewertet: zwei systematische Reviews, drei randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) am Menschen, eine Laborstudie und ein narrativer Review. Große, homogene Übersichtsarbeiten fehlen. Die meisten RCTs sind klein (60 bis 197 Teilnehmende) und prüfen Kombipräparate, nicht Fischöl allein. Bei einer RCT besteht ein Finanzierungsrisiko.