Helfen DHEA oder Wachstumshormon gegen das Altern – oder ist das gefährlich?
Für gesunde Menschen ohne Hormonmangel gibt es keinen überzeugenden Beleg, dass DHEA oder Wachstumshormon das Altern aufhalten. Bei bestimmten medizinischen Indikationen kann DHEA unter ärztlicher Aufsicht jedoch sinnvoll sein.
DHEA ist das häufigste Steroidhormon im Blut. Es erreicht seinen Höchststand rund um die Pubertät und sinkt danach kontinuierlich ab, während Cortisol kaum schwankt. Dieses auffällige Muster weckte jahrzehntelang die Hoffnung, dass eine gezielte Zufuhr den Alterungsprozess bremsen könnte.1,2,3
Bei gesunden Menschen ohne Hormonmangel hat sich diese Hoffnung nie erfüllt. DHEA zeigte keine konsistenten Vorteile für Wechseljahresbeschwerden, sexuelle Funktion, kognitive Leistung oder allgemeines Wohlbefinden. Einst aggressiv als 'Superhormon' vermarktet, beruhte der Hype vor allem auf Mausstudien, die sich kaum auf den Menschen übertragen lassen. Große Studien mit handfesten Endpunkten wie Überleben oder Frakturrisiko fehlen bis heute.4,3,5,6
Es gibt allerdings Situationen, in denen DHEA sinnvoll erscheint. Bei Frauen mit nachgewiesenem Mangel infolge einer Nebenniereninsuffizienz oder Hypophysenschwäche zeigen kleinere Studien Verbesserungen bei Lebensqualität und Stimmung. Bei vaginaler Trockenheit und Schleimhautatrophie nach den Wechseljahren belegen lokale Anwendungen einen klaren Nutzen. Auch auf die Knochendichte wurden in randomisierten Studien positive Effekte gefunden, vermutlich weil DHEA in Knochenzellen zu Östrogen umgewandelt wird. Ob das tatsächlich die Zahl der Knochenbrüche senkt, ist bislang unbekannt.4,7,3
Studien an älteren Menschen zeigen darüber hinaus bescheidene Effekte auf das Immunsystem, Muskelkraft, Körperfettanteil und Hautalterung. Diese Effekte sind jedoch gering, und ob sie langfristig wirklich einen Unterschied machen, bleibt offen.3
Bei hohen Dosierungen sind die Risiken real. DHEA wird sowohl in männliche als auch in weibliche Hormone umgewandelt, was Nebenwirkungen wie Akne, unerwünschten Haarwuchs und Stimmveränderungen verursachen kann. Wachstumshormon fällt in dieselbe Kategorie: Belege für ein längeres gesundes Leben beim Menschen fehlen, während kommerzielle Anbieter die Gefahren kleinreden. Forscher bezeichnen die Selbstmedikation mit beiden Hormonen ausdrücklich als gefährlich.4,5,6,8
Die Schlussfolgerungen stützen sich auf eine Kombination aus randomisierten Studien, doppelblinden placebokontrollierten Untersuchungen und Übersichtsarbeiten. Für Wachstumshormon liegen keine spezifischen Studiendaten vor; die entsprechenden Aussagen sind allgemeiner Natur. Große Langzeitstudien mit harten Endpunkten wie Überleben oder Knochenbrüche fehlen für beide Hormone.