Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag – wann solltest du zum Arzt?
Herzrasen ist meistens harmlos – aber bei Ohnmacht, Beschwerden unter Belastung, neuen Medikamenten oder in jungen Jahren solltest du besser zum Arzt.
Herzrasen ist eine häufige Beschwerde und steckt meistens harmlos dahinter. Manchmal ist es aber ein frühes Warnsignal für eine ernste Herzrhythmusstörung. Ein gutes Gespräch, eine körperliche Untersuchung und ein EKG reichen in den meisten Fällen aus, damit ein Arzt den Unterschied erkennen kann.
Fahre sofort in die Notaufnahme oder ruf einen Arzt, wenn das Herzrasen mit Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit einhergeht. Studien zeigen, dass Herzrasen unmittelbar vor einer Ohnmacht die Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden kardialen Ursache mehr als verdoppelt1. Auch Beschwerden während oder kurz nach körperlicher Belastung sowie Schwindel, Brustschmerzen oder Kurzatmigkeit machen eine rasche ärztliche Beurteilung notwendig.
Bist du jung und hast du regelmäßig Herzrasen? Dann ist besondere Wachsamkeit angebracht. In einer Screening-Studie mit 1.472 jungen Menschen hatten 23,5% schon einmal Herzrasen erlebt2. Bei jungen Menschen kann Herzrasen ein Warnsignal für eine ernste Herzerkrankung sein, weshalb ein EKG zur Basisdiagnostik dazugehört.
Hast du ein neues Medikament begonnen und bekommst danach Herzrasen, Schwindel oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden? Dann wende dich an deinen Arzt oder deine Apotheke. Bestimmte Mittel können den Herzrhythmus aus dem Takt bringen – und das kann in seltenen Fällen zu einer gefährlichen Rhythmusstörung und plötzlichem Herztod führen3,4.
Herzrasen kann auch auf einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel hinweisen, selbst ohne Diabetes. Begleitzeichen sind verschwommenes Sehen, Zittern, Schwitzen und Übelkeit. Bleibt eine Gegenmaßnahme aus, droht Bewusstlosigkeit. Zum Schluss noch eins: Stell dir niemals selbst eine Diagnose über eine App oder ein Video. Eine Mayo-Clinic-Studie zeigte, dass 41% der überwiesenen Patientinnen und Patienten mit der Diagnose 'Long-QT-Syndrom' (eine erbliche Herzrhythmusstörung) dieses Syndrom gar nicht hatten5.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere veröffentlichte Studien (PMID 32888682, 34379354, 21066971, 31990841, 21894674, 17502575, 20634114, 15647542). Es handelt sich um observationelle und diagnostische Forschung mit mäßigem Evidenzniveau. Große randomisierte Studien sind für diese Art von Fragestellung weder zu erwarten noch verfügbar.