Ist Kaffee gut oder schlecht fürs Herz?
Für die meisten gesunden Erwachsenen ist ein Konsum von drei bis vier Tassen gefiltertem Kaffee pro Tag mit einem günstigen Effekt auf Herz und Gefäße assoziiert. Schwangere sind eine wichtige Ausnahme: Für sie gilt eine Obergrenze von einer bis zwei Tassen täglich.
Drei bis vier Tassen täglich gehen mit rund 15 % niedrigerem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und etwa 19 % geringerer Sterblichkeit dadurch einher. Auch die Gesamtsterblichkeit liegt bei moderatem Kaffeekonsum ungefähr 17 % niedriger – und das gilt sowohl für koffeinhaltigen als auch für entkoffeinierten Kaffee1,2,3,4,5.
Diese Zahlen beschreiben Zusammenhänge, keine bewiesene Ursache-Wirkungs-Beziehung. Wer mäßig Kaffee trinkt, führt möglicherweise insgesamt einen gesünderen Lebensstil. Die Mendel'sche Randomisierung – ein Ansatz, der Kausalität besser abgrenzen kann – stützt einen schützenden Effekt bei Typ-2-Diabetes und chronischer Nierenerkrankung. Für andere Herz-Kreislauf-Endpunkte ist diese Evidenz weniger überzeugend2,3.
Beim Blutdruck ist das Bild differenzierter. Eine einzelne Tasse kann den Blutdruck kurzfristig leicht anheben, doch regelmäßiger Kaffeekonsum führt nicht zu dauerhaft erhöhtem Blutdruck – selbst bei bis zu 600 mg Koffein pro Tag nicht4,5,6. Das Risiko für die meisten Herzrhythmusstörungen scheint nicht erhöht zu sein; Kaffee kann jedoch gelegentlich harmlose Extraschläge auslösen. Beim Vorhofflimmern bleibt die Studienlage widersprüchlich4,5,6.
Die Zubereitungsart macht einen messbaren Unterschied. Ungefilterter Kaffee – etwa aus einem Pressstempelkännchen – hebt den LDL-Cholesterinspiegel an. Gefilterter Kaffee hat diesen Effekt kaum oder gar nicht4. Zu viel Kaffee kann Angstzustände und Schlafprobleme begünstigen. Bei extrem hoher Zufuhr besteht Vergiftungsgefahr, und Frauen haben bei hohem Konsum außerdem ein erhöhtes Knochenbruchrisiko7,3,6,1.
Schwangere bilden eine eigene Risikogruppe. Hoher Kaffeekonsum hängt mit 31 % höherem Risiko für Untergewicht beim Neugeborenen, bis zu 22 % erhöhtem Frühgeburtsrisiko und 46 % höherem Risiko für Schwangerschaftsverlust zusammen. Leitlinien empfehlen Schwangeren daher maximal 200 mg Koffein pro Tag, was einer bis zwei Tassen entspricht1,3. Den günstigsten Zusammenhang mit der allgemeinen Gesundheit zeigt die Datenlage bei ein bis fünf Tassen täglich.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere große Beobachtungsstudien und Metaanalysen (PMID 29167102, 32706535, 40806142, 40626862, 38963648, 28756014, 26074744). Randomisierte kontrollierte Studien zu harten Herz-Kreislauf-Endpunkten fehlen weitgehend, was kausale Schlussfolgerungen einschränkt.