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Kann Fasten dein Immunsystem zurücksetzen?

Unsicher · Mäßige Evidenz

Fasten senkt nachweislich Entzündungsmarker bei gesunden Menschen und bei Übergewicht – ein echter Immun-Reset ist aber noch nicht belegt. Die vielversprechenden Signale rechtfertigen Interesse, aber kein striktes Fastenregime ohne fachliche Begleitung.

Die vollständige Antwort

Bei gesunden Menschen senkt intermittierendes Fasten messbar die Entzündungsmarker im Blut. Am besten untersucht sind zwei Varianten: das zeitlich begrenzte Essen (alle Mahlzeiten innerhalb von etwa acht Stunden) und das alternierende Fasten. Beide senken Entzündungsmarker wie CRP, ein Protein, das anzeigt, wie aktiv Entzündungsprozesse im Körper gerade ablaufen. Bei Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen zeigte das bekannte Ramadanfasten dagegen kaum Wirkung1.

Bei Übergewicht oder Typ-2-Diabetes ist die Datenlage deutlicher. Fasten reduziert die chronische niedriggradige Entzündung, die diesen Erkrankungen zugrunde liegt, und verbessert die Blutzuckerregulation – selbst ohne Gewichtsverlust. Dabei gilt: Nicht jede Fastenmethode wirkt gleich. Die Effekte hängen davon ab, welches Gewebe man betrachtet und wie lange gefastet wird2.

Sobald die Glykogenspeicher leer sind, stellt der Körper auf Fettsäuren und Ketonkörper um. Dieser Stoffwechselwechsel beeinflusst, wie Immunzellen auf Infektionen und Entzündungen reagieren, und verändert auch die Zusammensetzung der Darmbakterien. Forschende sehen darin einen plausiblen Mechanismus hinter den Immuneffekten des Fastens – weisen aber gleichzeitig auf mögliche Nebenwirkungen hin, die man abwägen sollte3,4.

Für Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Lupus gibt es erste Hinweise, dass Fasten Entzündungswerte senken kann. Bei Multipler Sklerose, Schilddrüsenerkrankungen und Psoriasis sind die Ergebnisse hingegen widersprüchlich oder fehlen weitgehend. Klare Empfehlungen zur optimalen Fastenmethode oder -dauer existieren für diese Erkrankungen bislang nicht5.

Es gibt auch eine evolutionäre Hypothese: Permanentes Essen störe die Darmbakterien und halte das Immunsystem dadurch dauerhaft in einem gereizten Zustand. Fasten würde einen 'Reset' ermöglichen, wie ihn unser Körper evolutionär gewohnt war. Das klingt einleuchtend, belastbare Belege beim Menschen fehlen aber – es bleibt eine Hypothese6. Eine kleine Studie mit vierzehn Teilnehmenden, die dreißig Tage lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasteten, fand erhöhte Konzentrationen immunrelevanter Proteine im Blut. Da es jedoch keine Kontrollgruppe gab, lassen sich daraus keine verlässlichen Schlüsse ziehen7.

Die Belege
8 Studien · ≈ 14 Teilnehmer

Sieben Quellen wurden ausgewertet: zwei Reviews mit mäßiger Evidenz zu Entzündungsmarkern bei gesunden Menschen und Personen mit Stoffwechselerkrankungen, vier Reviews mit begrenzter oder gemischter Evidenz zu Autoimmunerkrankungen und der evolutionären Theorie sowie eine kleine Studie ohne Kontrollgruppe mit vierzehn Teilnehmenden. Große randomisierte Studien oder Metaanalysen liegen in diesem Datensatz nicht vor.

Zuletzt überprüft: Juni 2026
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