Können Darmprobleme die Knochengesundheit beeinträchtigen?
Ein gestörtes Darmmikrobiom kann über Entzündungen, verminderte Calciumaufnahme und aktivierte knochenabbauende Zellen zur schlechteren Knochengesundheit beitragen. Der praktische Hebel: ballaststoffreiche Ernährung und wenig Salz – das kommt sowohl deinen Darmbakterien als auch deinen Knochen zugute.
Calcium, Vitamin D und Bewegung kennt jeder als Faktoren für starke Knochen – doch auch dein Darm spielt dabei eine direkte Rolle. Darmbakterien produzieren kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat, die knochenaufbauende Zellen anregen und gleichzeitig knochenabbauende Zellen bremsen. Dieser Mechanismus ist aus Tierstudien gut belegt und wird durch erste klinische Untersuchungen gestützt.
Ein gestörtes Darmmikrobiom kann das Gegenteil bewirken. Wird die Darmwand zu durchlässig, gelangen bakterielle Abbauprodukte ins Blut und lösen eine unterschwellige, chronische Entzündung aus, die den Knochenabbau befeuert. Dieser Zusammenhang ist in mehreren Reviews beschrieben und gilt als eine der zentralen Verbindungen zwischen Darm und Knochen.
Darüber hinaus beeinflusst ein gesundes Mikrobiom, wie gut du Calcium aus der Nahrung aufnimmst – und mehr Calcium bedeutet mehr Baustoff für deine Knochen. Außerdem stellen Darmbakterien Vitamin K her, das für die Bildung von Knochenproteinen gebraucht wird. Wie groß der Effekt dieses mikrobiomproduzierten Vitamin K auf den Knochenstoffwechsel beim Menschen tatsächlich ist, bleibt bislang offen.
Nach den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, was den Knochenabbau beschleunigt. Das Darmmikrobiom scheint dabei über Immunzellen zu vermitteln, die knochenabbauende Zellen aktivieren. Das deutet darauf hin, dass Frauen nach der Menopause besonders anfällig für die Auswirkungen eines gestörten Mikrobioms auf ihre Knochen sein könnten.
Probiotika und Präbiotika zeigen in frühen Studien vielversprechende Signale: Sie scheinen Knochenschwund zumindest teilweise verlangsamen zu können. Beim Menschen sind die Ergebnisse jedoch noch zu uneinheitlich für konkrete Empfehlungen. Gut belegt ist dagegen bereits der Zusammenhang zwischen hohem Salzkonsum und geringerer Knochendichte – auch weil viel Salz die Bakterienzusammensetzung im Darm ungünstig verändert.
Basierend auf mehreren Reviews und Tierstudien; große randomisierte klinische Studien am Menschen fehlen weitgehend. Ein kausaler Zusammenhang ist plausibel, aber noch nicht durchgängig klinisch belegt.