Schützt Kaffee wirklich vor Demenz – oder ist das ein Mythos?
Täglich 2 bis 3 Tassen Kaffee sind in mehreren großen Studien mit einem niedrigeren Demenzrisiko assoziiert – ein bewiesener Kausalzusammenhang ist das jedoch nicht; zusätzlicher Teekonsum scheint die Assoziation zu verstärken, und übermäßiges Trinken bringt keinen Zusatznutzen.
Zwei bis drei Tassen Kaffee täglich gehen mit einem um 18 % niedrigeren Demenzrisiko einher – verglichen mit sehr geringem Kaffeekonsum. Das zeigt eine groß angelegte Harvard-Langzeitstudie mit mehr als 130.000 Teilnehmern, die bis zu 43 Jahre lang begleitet wurden. Entscheidend scheint das Koffein zu sein: Entkoffeinierter Kaffee zeigte in derselben Studie keinen vergleichbaren Effekt.
Tee schneidet mindestens genauso gut ab – womöglich sogar besser. Eine separate Metaanalyse von 38 Kohortenstudien ergab, dass jede zusätzliche Tasse Tee pro Tag mit einem um 4 % geringeren Demenzrisiko verbunden ist. Wer täglich 2 bis 3 Tassen Kaffee und zusätzlich 2 bis 3 Tassen Tee trinkt, hatte in einer UK-Biobank-Analyse mit über 365.000 Menschen ein um 28 % geringeres Demenzrisiko und sogar ein um 32 % niedrigeres Schlaganfallrisiko – jeweils im Vergleich zu völligem Verzicht.
Allerdings gibt es auch Gegenstimmen. Dieselbe Metaanalyse der 38 Kohortenstudien fand für Kaffee allein keinen statistisch signifikanten Schutzeffekt gegen Demenz oder Alzheimer. Eine frühere Metaanalyse von 8 Studien kam ebenfalls zu keinem eindeutigen Befund. Dazu kommt ein methodisches Problem, das die Rotterdam-Studie aufgezeigt hat: Menschen, die bereits im Frühstadium eine Demenz entwickeln, trinken mitunter schon früh weniger Kaffee. Wird das in der Analyse nicht sauber berücksichtigt, sieht Kaffee schützend aus – obwohl die Kausalität in Wirklichkeit umgekehrt verlaufen könnte. Dieser Zweifel ist bis heute nicht ausgeräumt.
Wie Kaffee theoretisch zum Schutz von Hirnzellen beitragen könnte, wurde in Labor- und Tierversuchen recht gut untersucht: Koffein und verschiedene pflanzliche Verbindungen im Kaffee scheinen neuroprotektiv zu wirken. Doch was in der Petrischale oder beim Mausmodell funktioniert, beweist noch nichts beim Menschen.
Was die Sicherheit betrifft, gibt es bei 2 bis 3 Tassen pro Tag wenig zu befürchten. Übermäßiger Konsum – grob ab etwa 10 Tassen täglich – kann Angstzustände, Schlafprobleme und Magenreizungen auslösen. Damit ist einer sinnvollen Dosissteigerung eine klare Grenze gesetzt, selbst wenn der Effekt beim Menschen eines Tages bestätigt werden sollte.
Alle Aussagen beruhen auf Beobachtungsstudien (Kohortenstudien) und Metaanalysen solcher Daten. Randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die einen Kausalzusammenhang belegen könnten, existieren nicht. Die GRADE-Bewertung der Evidenzsicherheit ist für den Zusammenhang zwischen Kaffee und Demenz als „niedrig" eingestuft (PMID 39054894). Reverse Kausalität stellt ein reales methodisches Risiko dar (PMID 25154552).