Schwächt die langfristige Einnahme von Kortison die Knochen?
Kortikosteroide in Tabletten- oder Injektionsform schädigen die Knochen nachweislich – doch dein Arzt kann mit knochenprotektiven Medikamenten gezielt gegensteuern. Bei Inhalationsmedikamenten ist das Risiko deutlich geringer und bei niedrigen Dosen nicht belegt.
Ja, das stimmt: Kortikosteroide in Tabletten- oder Injektionsform – etwa Prednison – schädigen die Knochen bei dauerhafter Einnahme nachweislich. Der Knochenschwund verläuft in den ersten ein bis zwei Jahren nach Therapiebeginn am schnellsten, doch auch danach nimmt die Knochendichte weiter ab. Das Risiko für Osteoporose-bedingte Frakturen steigt – bei Kindern wie Erwachsenen und selbst bei wiederholten kürzeren Behandlungszyklen.
Bei Inhalationsmedikamenten – wie sie bei Asthma eingesetzt werden – ist die Lage differenzierter. Bei niedrigen bis mittleren Dosen ist kein eindeutig negativer Effekt auf die Knochendichte belegt. Bei hohen oder über lange Zeit akkumulierten Dosen gibt es Hinweise auf einen dosisabhängigen Rückgang, allerdings widersprechen sich die Studien teils. Das Risiko ist in jedem Fall deutlich geringer als bei Tabletten oder Injektionen. Bei Kindern, die hohe Inhalationsdosen erhalten, kann das Knochenwachstum leicht beeinträchtigt werden; eine ausreichende Zufuhr von Kalzium und Vitamin D über die Ernährung scheint dem entgegenzuwirken.
Zum Glück lässt sich etwas dagegen tun. Wer dauerhaft hohe Kortikosteroiddosen in Tabletten- oder Injektionsform einnimmt, kann den Knochenverlust durch eine frühzeitig begonnene Schutztherapie begrenzen – zum Beispiel mit Bisphosphonaten oder aktivem Vitamin D. Bei Frauen nach den Wechseljahren wird mitunter auch eine Hormontherapie erwogen. Sprich das mit deinem Arzt an, sobald eine längere Behandlung absehbar ist, denn wer vorbeugend eingreift, bevor der Knochenschwund einsetzt, erzielt bessere Ergebnisse als jemand, der erst im Nachhinein handelt.
Wenn du bei Asthma lediglich eine niedrige Inhalationsdosis verwendest, gibt es nach aktuellem Wissensstand keinen Anlass zur besonderen Sorge um deine Knochen. Nimmst du jedoch seit Jahren hohe Dosen, lohnt es sich, beim Arzt eine Knochendichtemessung anzusprechen.
Die Evidenz stützt sich auf zwei starke Aussagen mit kausaler Beweiskraft für systemische Kortikosteroide (PMID 10769436, 19663120) sowie mehrere mäßig starke Studien zu inhalativen Kortikosteroiden bei Kindern und Erwachsenen (PMID 15287822, 27979015, 9563372, 24717638, 32416663). Die Präventionsaussagen verfügen über mäßige Evidenz (PMID 10769436, 19663120).