Senkt Zimt wirklich deinen Blutzucker?
Zimt kann den Nüchternblutzucker bei Typ-2-Diabetes moderat senken – ob sich das langfristig auf die Gesundheit auswirkt, ist jedoch noch unklar. Setze ihn allenfalls ergänzend zu einer bewährten Behandlung ein und greife dann vorzugsweise zu Ceylon- statt Cassia-Zimt.
Zimt senkt den Nüchternblutzucker bei Menschen mit Typ-2-Diabetes wahrscheinlich ein wenig. Mehrere Metaanalysen randomisierter Studien zeigen im Schnitt einen Rückgang von etwa 0,5 bis 1,4 mmol/L. Eine aktuelle doppelblinde Studie mit Ceylon-Zimtextrakt (1000 mg täglich, 12 Wochen, n=150) stellte gegenüber Placebo eine durchschnittliche Senkung von 8,6 mg/dL fest – bei Teilnehmern mit Typ-2-Diabetes sogar 63 mg/dL. Diese Studie wurde allerdings teilweise von einem Zimthersteller finanziert, was die Ergebnisse in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Der entscheidende Vorbehalt betrifft den Langzeitmarker für die Blutzuckerregulation: den HbA1c-Wert. Ärzte nutzen ihn, um zu beurteilen, wie gut der Blutzucker über mehrere Monate hinweg kontrolliert ist. Ältere Metaanalysen konnten bei Zimt keine Verbesserung des HbA1c nachweisen. Die bislang umfassendste Metaanalyse (24 Studien, Publikationen bis 2022) fand zwar eine bescheidene Senkung, doch die Autoren räumen selbst ein, dass die Befunde 'nicht eindeutig' sind. Der Grund: Die Studien unterscheiden sich erheblich in Dosierung, Zimtsorte und Laufzeit.
Cassia-Zimt, die im Supermarkt am weitesten verbreitete Sorte, enthält Cumarine. Diese Verbindung kann bei dauerhaft hoher Zufuhr die Leber belasten. Ceylon-Zimt enthält deutlich weniger Cumarine und wird in der Forschung häufig als die sicherere Wahl eingestuft. Ob seltene Nebenwirkungen auftreten, lässt sich aus den bisherigen Studien nicht zuverlässig ableiten – dafür sind sie zu kurz und zu klein.
Beim Blutfettspiegel bleibt das Bild uneinheitlich. Einige Studien beobachten einen Rückgang von LDL-Cholesterin und Triglyceriden, andere nicht. Eine belastbare Schlussfolgerung lässt sich daraus nicht ziehen.
Zimt ist kein Ersatz für Diabetesmedikamente. Wenn du ihn ergänzend ausprobieren möchtest, sprich das vorher mit deinem Arzt ab. Ceylon-Zimtextrakt weist in den Studien ein günstigeres Sicherheitsprofil auf als große tägliche Mengen Cassia-Zimt.
Grundlage sind mehrere Metaanalysen (bis zu 24 RCTs, n=543 in der größten Metaanalyse, n=150 in der aktuellsten RCT) sowie eine RCT mit einem veröffentlichten Unsicherheitshinweis (Expression of Concern). Die hohe Heterogenität zwischen den Studien und die Unterschiede in Zimtsorte und Dosierung schränken die Übertragbarkeit der Ergebnisse ein. Eine RCT wurde teilweise von einem Zimthersteller finanziert.