Sind Bauchschmerzen und Blähungen Zeichen eines ungesunden Darms?
Bauchschmerzen und Blähungen können auf verschiedene Darmprobleme hinweisen, nicht nur auf einen "ungesunden" Darm. Lass deine Beschwerden gezielt abklären und besprich mit deinem Arzt, ob eine Low-FODMAP-Ernährung oder eine Eliminationsdiät für dich infrage kommt.
Bauchschmerzen und Blähungen sind die beiden typischsten Beschwerden beim Reizdarmsyndrom (RDS). Das RDS gilt als sogenannte funktionelle Darmstörung: Es ist keine Gewebeschädigung nachweisbar, trotzdem arbeitet der Darm nicht richtig. Dieselben Symptome können aber auch auf andere Erkrankungen hindeuten, etwa auf eine übermäßige Vermehrung von Bakterien oder Pilzen im Dünndarm oder auf Magenprobleme wie eine verzögerte Magenentleerung. Deshalb ist eine sorgfältige Diagnose so wichtig.
Die Beschwerden sind also nicht automatisch ein Zeichen für einen 'ungesunden' Darm im Sinne sichtbarer Schäden oder Entzündungen. Studien zeigen jedoch, dass das Immunsystem in der Darmwand bei einem Teil der Betroffenen auf bestimmte Lebensmittel reagiert, was Symptome auslösen oder verstärken kann. Das ist biologisch betrachtet interessant, gilt aber bei den meisten Patienten noch nicht als bewiesene Ursache.
Wer unter RDS-Beschwerden leidet, profitiert am stärksten von einer Low-FODMAP-Ernährung: Dabei werden fermentierbare Kohlenhydrate eingeschränkt, die den Darm reizen. Eine Netzwerkanalyse von dreizehn randomisierten Studien mit knapp tausend Patienten zeigte, dass diese Ernährungsform von allen untersuchten Ansätzen am wirksamsten war. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Beschwerden nicht bessern, war 33 % geringer als bei normaler Ernährung. Wichtig dabei: Die Low-FODMAP-Diät ist kein dauerhaftes Ernährungskonzept. Wer sie langfristig beibehält, ohne Lebensmittel schrittweise wieder einzuführen, riskiert eine Abnahme nützlicher Darmbakterien.
Auch eine personalisierte Eliminationsdiät, die sich daran orientiert, gegen welche Lebensmittel das Immunsystem Antikörper bildet, zeigte in einer randomisierten Studie positive Ergebnisse: 60 % der Teilnehmenden fühlten sich deutlich besser, gegenüber 42 % in der Kontrollgruppe. Größere Studien müssen diese Befunde noch bestätigen.
Moderates Ausdauertraining wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren scheint das Darmmikrobiom positiv zu beeinflussen und RDS-Beschwerden zu lindern, allerdings ist die Evidenz dafür noch begrenzt und weder die ideale Intensität noch die optimale Dauer sind bekannt. Zu intensives Training kann die Beschwerden sogar verschlimmern.
Basiert auf einer Netzwerkanalyse von 13 RCTs (944 Patienten), einem RCT zur IgG-Eliminationsdiät, systematischen Übersichtsarbeiten zu Bewegung sowie SIBO/SIFO und mechanistischen Untersuchungen zur Immunaktivierung. Für Bewegung und Immunreaktionen liegen keine großen RCTs vor.