Verändert sich mein Darmmikrobiom mit dem Alter, und ist das ein Problem?
Ja, das Darmmikrobiom verändert sich messbar mit dem Alter, doch wie problematisch das ist, hängt stark von Ernährung und Lebensstil ab. Eine ballaststoffreiche Ernährung, die förderliche Bakterien unterstützt, ist der am besten belegte Weg, diese Veränderung positiv zu beeinflussen.
Das Darmmikrobiom wandelt sich ein Leben lang, ohne einen klar definierten Wendepunkt. Es ist ein langsamer, kontinuierlicher Prozess, der von Ernährung, Medikamenten, Wohnumfeld und dem Altern selbst beeinflusst wird. Diese Einschätzung ist gut belegt, unter anderem durch ein systematisches Review von 27 Humanstudien1.
Was sich genau verändert, ist differenzierter als oft angenommen. Ältere Menschen, insbesondere Hochbetagte, weisen manchmal sogar eine größere bakterielle Vielfalt auf als Jüngere. Gleichzeitig nimmt der Anteil normalerweise dominanter Bakterienfamilien wie Faecalibacterium und Lachnospiraceae ab. Ein einheitliches 'Altersprofil' des Mikrobioms gibt es nicht: Die Zusammensetzung unterscheidet sich stark von Person zu Person.
Auffällig ist: Bei Menschen ab 105 Jahren finden sich vergleichsweise viele Bakterien, die üblicherweise mit guter Gesundheit in Verbindung gebracht werden, darunter Akkermansia und Bifidobacterium. Ob diese Bakterien zu ihrem hohen Alter beitragen oder schlicht ein Begleitphänomen ihrer robusten Gesundheit sind, ist nicht bewiesen. Es handelt sich um eine Assoziation, keinen nachgewiesenen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang.
Ob diese Veränderungen schädlich sind, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Ein vielfältiges Mikrobiom mit Bakterien, die aus Ballaststoffen entzündungshemmende Fettsäuren herstellen, hängt in mehreren weltweiten Studien mit gesünderem Altern zusammen. Ursache und Wirkung lassen sich hier jedoch schwer trennen: Krankheit, schlechte Ernährung und Medikamente können das Mikrobiom ebenfalls verschlechtern. Tierstudien legen nahe, dass ein sich verschlechterndes Darmmikrobiom zu niedriggradiger Entzündung und frühzeitigem Sterben beitragen kann, doch dieser kausale Zusammenhang ist beim Menschen bislang nicht belegt.
Es gibt frühe Hinweise auf Zusammenhänge mit Muskelschwund und Erkrankungen wie Alzheimer. Beim Muskelschwund zeigten Tierstudien, dass Darminhalte das Muskelprofil der Empfängertiere beeinflussen konnten, doch in zehn klinischen Studien mit Probiotika und Ballaststoffpräparaten waren die Effekte auf die Muskelmasse uneinheitlich. Der Zusammenhang mit Alzheimer ist noch wenig erforscht. Interessant ist außerdem, dass das Mikrobiom älterer Menschen auf ernährungsbedingte Anpassungen offenbar stärker anspricht als das jüngerer Menschen. Als bislang konsistentester Ansatz gilt eine ballaststoffreiche Ernährung, auch wenn die Langzeiteffekte auf harte Gesundheitsendpunkte noch untersucht werden.
Die genannten Zusammenhänge stützen sich auf mehrere Beobachtungsstudien am Menschen sowie ein systematisches Review von 27 Studien (PMID 33297486), ergänzt durch tierexperimentelle Daten. Große randomisierte kontrollierte Studien mit harten Gesundheitsendpunkten zu diesem Thema liegen bislang nicht vor. Alle Zusammenhänge sind, sofern nicht anders angegeben, assoziativ.