Was ist Autophagie, und kann ich sie selbst ankurbeln?
Autophagie ist das eingebaute Recyclingsystem deiner Zellen, doch eine bewährte und sichere Methode, es über Nahrungsergänzungsmittel oder Ernährung gezielt hochzuregulieren, gibt es bislang nicht.
Autophagie ist das zelleigene Reinigungs- und Recyclingsystem. Die Zelle verpackt beschädigte Proteine und abgenutzte Bestandteile in kleine Membranvesikel und baut sie ab. Die dabei freigesetzten Bausteine werden wiederverwertet. Dass Hefezellen und menschliche Zellen diesen Prozess nahezu identisch ablaufen lassen, zeigt, wie grundlegend er für das Leben ist1,2.
Unter Stress, etwa bei Nährstoffmangel, dreht die Zelle die Autophagie hoch, um sich selbst am Laufen zu halten1. Nervenzellen sind darauf besonders angewiesen: Sie teilen sich nach der Geburt kaum noch und können Zellschrott nicht einfach durch Zellteilung loswerden. Funktioniert die Autophagie nicht richtig, häufen sich diese Ablagerungen an1,3.
Ein gestörtes Reinigungssystem wird mit Alzheimer, Parkinson, Lebererkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs in Verbindung gebracht1,3. Übermäßiger oxidativer Stress kann die zellulären Verdauungsvesikel schädigen und das gesamte System zum Erliegen bringen4. Wie markierter Zellschrott erkannt und abtransportiert wird, ist zwar inzwischen besser verstanden, konkrete Therapien für den Menschen lassen sich daraus bislang aber noch nicht ableiten5.
Es gibt Wirkstoffe, die Autophagie in Zell- und Mausstudien aktivieren. Rapamycin verlangsamte die Zellalterung und steigerte die Autophagie in Zellkulturen und bei Mäusen6. Metformin, ein Diabetesmedikament, zeigte in einem Zellmodell des diabetischen grauen Stars ähnliche Effekte7. Das sind keine Belege für einen Nutzen bei gesunden Menschen. Außerdem handelt es sich bei beiden um echte Arzneimittel: Rapamycin unterdrückt das Immunsystem, und Metformin ist ausschließlich für Typ-2-Diabetes zugelassen.
Was bleibt für den Alltag? Nährstoffmangel erhöht die Autophagie auf Zellebene, weshalb Fasten und Kalorienrestriktion häufig ins Spiel gebracht werden. Die Evidenz dafür ist jedoch rein mechanistischer Natur. Ob das bei gesunden Menschen tatsächlich Krankheiten vorbeugt oder das Altern verlangsamt, ist nicht belegt. Nahrungsergänzungsmittel oder Ernährungsstrategien, die Autophagie sicher und wirksam steigern, existieren derzeit nicht.
Die zugrunde liegenden Befunde stammen aus Zell- und Tierstudien sowie mechanistischer Grundlagenforschung. Große Humanstudien zur gezielten Steigerung der Autophagie über Lebensstil oder Nahrungsergänzungsmittel fehlen bislang. Was bei gestörter Autophagie schiefläuft, ist deutlich besser belegt als die Frage, ob und wie man sie gezielt verbessern kann.